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Beiträge im März, 2006


Prämiert in KW 12

Jürgen Klinsmann

 27. März 2006  »  Gehacktes der Woche

Gehacktes der Woche

Der deutsche Bundestrainer und schwäbische Bäckerssohn Jürgen Klinsmann ist eigentlich ein ruhiger Mensch, er wird nie ausfallend, Weißbier-Vorwürfe und andere rauhe Töne gegenüber Journalisten sind ihm völlig fremd. Umso überraschender kam Klinsmanns General-Kritik an den Journalisten des Landes nach dem 4:1-Sieg gegen die USA: Klinsmann verurteilte alle Pressevertreter generell, er schimpfte über Berichterstattung “unter der Respektsgrenze” und fügte hinzu, man wisse nun ganz genau, “mit wem wir während der WM zusammenarbeiten - und mit wem nicht”.

Klinsmanns Fähigkeiten als Revoluzzer und Sportsmann in allen Ehren - aber das war unüberlegt, mal wieder. Er benutzte Worte wie “Ihr” oder “Euch”, was die Süddeutsche Zeitung zu dem treffenden Kommentar veranlasste: “Ihr, Euch - als wären Syker Kreiszeitung und Bunte, der Katholische Nachrichtendienst und tz eine homogene Medienmasse”. Die irritierte Reaktion vieler Journalisten, die sich nicht zuletzt in der SZ-Nachberichterstattung widerspiegelte, zeigt: Klinsmann ist es offenbar gelungen, mit seiner unverhältnismäßigen General-Beschimpfung auch ihm Wohlgesonnene zu verprellen. Vielleicht sollte er demnächst einen Kurs belegen: “Mit Unsinn aufhören in 75 Tagen - Wie man lernt, das Kaputtmachen seines mühsam erworbenen Rufes durch kosequentes Begehen von leichtsinnigen Fehlern zu beenden”, so was in der Art.

Fürs erste erhält Jürgen Klinsmann - auch ohne Kurs - schon mal eine Auszeichnung: Das Gehackte der Kalenderwoche 12 von SCHLUSSMANN.DE. Glückwunsch!


Der 27. Bundesligaspieltag

Nicht mal Peterchen hat geholfen

 26. März 2006  »  Bundesliga 05/06

Oh weh, Köln.

Christopher Lamprecht, 20, hat in seinem neunten Bundesligaspiel für den VfL Wolfsburg sein erstes Tor erzielt. Wolfsburg hat gegen Schalke trotzdem nicht gewonnen, sondern nur 2:2 gespielt. Danach hat Lamprecht gesagt, das sei zwar ein super Gefühl, aber er wisse jetzt gar nicht, “ob ich mich freuen soll oder heulen”.

Die Fans des 1. FC Köln wissen das ganz genau. Sie heulen. Und zwar schon seit Wochen.

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Prämiert in KW 11

tz München

 20. März 2006  »  Gehacktes der Woche

Gehacktes der Woche

Da hat sich aber jemand ganz übel verpokert. Der FC Bayern in der Opfer-Rolle, und trotzdem sagt niemand: das geschieht ihnen recht (zumindest nicht öffentlich)! Muss dann schon ein ganz grober Bock gewesen sein. Dass der Co-Autor des umstrittensten Fußballartikels des Jahres auch noch Sohn eines Weltmeisters ist und mit Bastian Schweinsteiger bekannt, macht die ganze Sache nur noch kurioser.

Die Münchner tz hat in ihrer Ausgabe vom 20. März eine Gegendarstellung auf Seite 1 abgedruckt und sich auch schon dafür entschuldigt, Bastian Schweinsteiger fälschlicherweise als Wettpaten-Opfer entlarvt zu haben - und ganz nebenbei noch zwei Spieler des TSV 1860. Zum Glück haben beide Mannschaften am Wochenende gewonnen, sonst hätten die Münchner Vereine die tz noch auf psychisch bedingten Punkteausfall verklagt. Aber die Geschichte ist für das Boulevardblatt schon schlimm genug: Die Spielberichte über Bayern und 60 setzen sich zu großen Teilen aus Zitaten von anderen Medien zusammen, weil mit ihnen keiner mehr redet.

Selten ist es so leicht gefallen: Das Gehackte der Woche geht an die Münchner tz für ihren investigativen Beitrag zur Steigerung der allgemeinen Nervosität vor der Fußball-WM.


Der 26. Bundesligaspieltag

Einmal zweite Klasse, bitte!

 19. März 2006  »  Bundesliga 05/06

Was ist eigentlich mit Werder Bremen los? War es am Samstag nur der Vittek-Effekt? Oder ist Nürnberg zurzeit noch besser als Juventus Turin? Und ist es nur Zufall, wenn Miroslav Klose eine Halbzeit lang überhaupt keinen Torschuss abgibt? Antwort: Nein, denn er ist auf deutsche Nationalspieler angewiesen, die ihn mit Bällen versorgen sollen (Owomoyela, Frings, Baumann etc.). Ganz nebenbei: Das Spiel gegen die USA könnte ein echtes “shock and awe” - Erlebnis für die Nationalkicker werden (heute ist der dritte Jahrestag). Vielleicht suchen uns die Amis nach dem Spiel auch gleich einen neuen, demokratisch gewählten Trainer.

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Der 25. Bundesligaspieltag

Slowakische Dankbarkeit

 13. März 2006  »  Bundesliga 05/06

Der so genannte Hattrick wurde ursprünglich einmal “hat trick” geschrieben. Damit war wohl gemeint, dass der Schütze dreier aufeinander folgender Tore (in einer Halbzeit) wohl ein tolles Kunststück aus dem Hut gezaubert hat, sodass man als Zuschauer am besten denselben ziehen sollte.

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Prämiert in KW 10 - 2006

Tim Wiese

 12. März 2006  »  Gehacktes der Woche

Gehacktes der Woche

Als John F. Kennedy sagte, er sein ein Berliner, da meinte er natürlich nicht, dass er jetzt dort hin ziehen werde. Er meinte lediglich, dass man sich in Berlin auf ihn verlassen könne. Wenn sie ihn in schweren Zeiten bräuchten, dann werde er sie nicht hängenlassen.

So gesehen hat Tim Wiese in den letzten Tagen ganz oft den Kennedy gegeben. Zunächst in Turin, wo er mit seinem Fehler kurz vor dem Abpfiff Juve vor einer handfesten Krise bewahrte, mit der in Italien niemand gerechnet hätte, und die deshalb umso schlimmer gewesen wäre. Und nun, am Wochenende, erlaubte sich der Pink Panther der Nation einen weiteren Krapfen. Wäre das mit Turin nicht passiert, man hätte als amtierender Champions League-Teilnehmer beim 1:0 des Herthaners Boateng gesagt: Die Marmelade putzen wir einfach weg, den Mund auch, weitermachen. So aber bekommt Tim Wiese von SCHLUSSMANN.DE das Gehackte der Woche verliehen, für seine unermüdlichen Beiträge zur Völkerverständigung.


Der 24. Bundesligaspieltag

Wider der Neidgesellschaft

 6. März 2006  »  Bundesliga 05/06

Man sollte ja jedes Fußballerzitat zelebrieren, das irgendwie aus dem Rahmen fällt. Am Wochenende hat sich Thomas Doll verdient gemacht. Nach dem 2:1 seines HSV in der Münchner Allianz-Arena mimte er nicht nur den fairen Gewinner, sondern er hielt beim Interview auf Premiere all jenen den Spiegel vor, die selbst nicht spielen, aber trotzdem die ganze Zeit an Geld denken. Auf die Frage, wie er denn die Diskussion über Nigel de Jong verkraftet habe, der ja beim HSV so viel verdiene und bisher keine Leistung gebracht habe, sagte er: “Das ist eine typische Diskussion in unserer Neidgesellschaft.” Darf man sagen, wenn der besagte Spieler das entscheidende Tor macht? Das heißt aber auch: Nicht neidisch werden, wenn der FC Bayern trotzdem Meister wird!

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Prämiert in KW 9 - 2006

Reiner Calmund

 5. März 2006  »  Gehacktes der Woche

Gehacktes der Woche

Das nennt man dann wohl schlechtes Timing. Eineinhalb Jahre lang hat man nichts von Reiner Calmund gehört, und das will einiges heißen bei einem, der sein Mundwerk nutzt wie Ronaldhino seine Beine. Nach dem Rücktritt bei Bayer Leverkusen hatte er bereits angedroht, dass er nach einer Ernährungspause wiederkommen werde. Vor einem Monat dann erste Manager-Zuckungen. Das bergische Land, sagte er auf einem Vortrag vor Vertretern der Industrie- und Handelskammer, sei in Sachen WM-PR noch mächtig hinten dran. Ein Management “by Nilpferd: kurz auftauchen, Maul aufreißen, und wieder abtauchen, das geht nicht”, sagte der WM-Botschafter in Wuppertal.

Das geht wohl doch. Denn Calmund selbst, der auf diesem Treffen auch noch etwas von Schummelei bei der Vergabe der WM-Tickets gemurmelt hat, wird nun am besten genau das tun. Bayer Leverkusen hat nun die wohl wahren Gründe seines “Rücktritts” genannt: Eine zwielichtige 580 000-Euro-Zahlung an einen Spielerberater. Alles nachzulesen im Spiegel.

SCHLUSSMANN.DE verleiht deshalb das Gehackte der Woche an einen, der es schon lange verdient hat. Wir hoffen, er wird endlich mal satt damit.


Deutschen Nationalmannschaft

Die rote Verschwörungstheorie

 4. März 2006  »  WM 2006

Schwarz war der Auftritt der Nationalmannschaft in Italien, unfreiwillig golden jener des Wettverlierers Günter Netzer. Was ist eigentlich mit rot? Eigentlich hatte es ja mal halbwegs passabel begonnen, mit vier Toren und guten Spielen gegen Argentinien und Brasilien. Doch der Farbwechsel hat womöglich noch andere Gründe als jenen, dass es in Duetschland nun wirklich keine Schwarz-Weiß-Fernseher mehr gibt.

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Deutschlands blamables 1:4 gegen Italien

Eine Frage der Synapsen

 2. März 2006  »  WM 2006

Es war am Ende nicht ganz klar, wer mehr Mitleid verdient gehabt hätte: Günter Netzer, weil er wegen einer verlorenen Wette in goldenem Sakko, gelber Krawatte und schwarzen Stiefeln mit goldener Verzierung auftreten musste und damit aussah wie der Chef der Reeperbahn? Gerhard Delling, weil er die ganze Zeit von diesem gold geblendet wurde? Deutschlands Fußballer, weil sie so hilflos umher rannten? Italiens Fußballer, weil die Deutschen nicht richtig mitspielen wollten? Die deutschen Fans, weil sie eingepfercht in einem Käfig hinter Gittern zusehen mussten? Oder weil sie überhaupt zusehen mussten? Oder doch Jürgen Klinsmann? Auf jeden Fall aber war das Mitleid an sich noch das positivste Gefühl, dass alle deutschen Beobachter - außer Christian Wörns vielleicht - nach der peinlichen 1:4-Niederlage der Nationalelf gestern Abend gegen Italien empfanden.

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