WM-Auslosung gestern in Leipzig
| 10. Dezember 2005 |
Was für ein aufregender Abend, was für eine Show, was für ein Kleid – die WM-Auslosung ist vorbei, auch wenn man irgendwann den Glauben an ein Ende der Show verloren hatte. SCHLUSSMANN setzt sich mit den wichtigsten Personen der gefühlten 15 Stunden von Leipzig auseinander.
Franz Beckenbauer: Muss in Texten zur WM immer als erstes genannt werden. „Der Franz“ (Beckmann), „Herr Beckenbauer“ (Klum), „der Glücksfranz“ (Netzer in der SZ). Ja gut, ja mei, souverän wie immer, rechts wie links. Grandioses Schauspieldebüt neben zwei Japanern in einem Werbefilm. Wartet jetzt auf weitere Rollen, hätte nach der WM wieder Zeit.
Heidi Klum: Hat nach eigener Aussage keine WM-Karten. Sehr sympathisch. Mutige Kleiderwahl, die allerdings zu begrüßen ist: Der Großteil deutscher Frauen ist jetzt erleichtert, dass eine Geburt auch an den Hüften einer Heidi Klum nicht spurlos vorüber geht.
Reinhold Beckmann: Seite heute Abend weiß man: Beckmann spricht neben englisch und hochdeutsch auch französisch und spanisch. Angeber. Schicker Anzug, sah trotzdem nicht so gut aus wie die Klum, was aber zu erwarten war.
Markus Siegler: Der Zeremonienmeister. Durfte das machen, weil FIFA-Präsident Sepp Blatter sich nicht mit allen im Verband übermäßig gut versteht. Fehlerlos und schnörkellos wie ein Steuerberater.
Roger Milla: Von Heidi Klum angekündigt als “the one and only”. Hatte den langweiligsten Job des Abends: Lospate für den Topf der Gesetzten. Trägt jetzt Brille, deshalb fehlerlos bei der Ziehung.
Johan Cruyff: War für den Topf der Mannschaften aus Afrika, Südamerika und Ozeanien zuständig. Hätte zu einer zentralen Figur des Abends werden können: er ist Holländer. Hat Deutschland Ecuador beschert. Hat ziemlich ernst geschaut dabei.
Pélé: Eingemeißeltes Dauergrinsen. Hätte für Deutschland Holland ziehen sollen, hat stattdessen Polen aus Topf drei gezaubert. War bis zu diesem Moment eigentlich ein sympathischer Kerl.
Lothar Matthäus: Der Loddar. Hätte statt Milla den Namen „the one and only“ verdient gehabt. Ist mit den gezogenen Kugeln zum Pult geschlichen wie ein Fünftklässler vor seinem ersten Referat. Hat bei der Ziehung von Deutschlands Eröffnungsspielgegner Costa Rica erst eine andere Kugel genommen, die aber wieder weg gelegt, weshalb in Italiens Zeitungen heute von Sabotage die Rede ist: Die Kugeln, die für Deutschland bestimmt waren, seien angewärmt gewesen. Schwer vorstellbar. Der Loddar hat unglaublich viel Gefühl in beiden Füßen, aber eben nur in den Füßen.
Sepp Blatter: Hat gesagt, die Welt sei „böse, verrückt und kriegerisch“. Wäre kein schlechter Titel für seine Biographie.
Horst Eckel: Beachtliche Schusskraft und Schusstechnik, machte dabei sogar eine bessere Figur als Beckenbauer und Klinsmann, trotz hohen Alters (73). Lieblingswort: „Kameradschaft“.
Angela Merkel: Erster großer Auftritt als Frau Bundeskanzlerin. Saß neben SPD-Müntefering, hat trotzdem manchmal ihr unheimlich bezauberndes Lächeln hervorgeholt.
Hans Klok: Angekündigt als „schnellster Magier der Welt“. Hat Tricks in unfassbarer Geschwindigkeit vorgezeigt, so schnell, dass man keine Zeit hatte, Spannung zu empfinden. Kann keine vier Schritte laufen, ohne zwischendurch beschwingt zu hopsen. War der beste Beweis, dass die Organisatoren vor der Planung des Abends ein paar Bier zu viel getrunken haben müssen.
WM-Ball: Heißt „Teamgeist“. Komischer Name für einen Ball. Laut Pressetext eine “revolutionäre Konstruktion aus 14 Panels” mit einer “wesentlich glatteren, absolut runden Außenhaut”. Puh. Ist mit einer Zeichnung bemalt, die ein bisschen aussieht wie eine 8, ein bisschen aber auch wie Heidi Klums Figur.
