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Ailtons Flucht aus Istanbul

 19. Dezember 2005

Es ist anzunehmen, dass Ailton den Namen Merhan Nasseri noch nie gehört hat. Im Kino hat er vielleicht den Film „Terminal“ gesehen, aber dass sich dahinter eben dieser Name, Merhan Nasseri, verbirgt, weiß er wahrscheinlich nicht. Merhan Nasseri ist ein Iraner, der 1988 auf dem Charles-de-Gaulle-Airport in Paris gelandet ist; dort wurden ihm seine Papiere gestohlen, Nasseri saß auf dem Flughafen fest – und ist gleich geblieben, bis heute. Vermutlich haben sie in seiner Heimat gar nicht gewusst, dass Nasseri in Paris auf dem Flughafen war, sonst hätte ihn ja jemand abgeholt, oder zumindest mal dort angerufen, und an diesem Punkt ist sich nun der Zusammenhang zwischen Nasseri und Ailton herzustellen. Der brasilianische Fußballprofi ist auch zum Flughafen aufgebrochen, erst gestern, und er hätte sich gewünscht, dass keiner das mitbekommt. Aber da hat er sich getäuscht.

Heute wurde bekannt, dass der Manager des türkischen Erstligisten Besiktas Istanbul, Eksi, am gestrigen Sonntag zum Atatürk-Flughafen in Istanbul gefahren war, weil er erfahren hatte, dass er dort jenen drei Millionen teueren Angestellten finden würde, den er vermisste: Ailton, 32, eine Beschleunigung wie eine Gewehrkugel, ein Ballgefühl wie ein, nun ja, Brasilianer, und ein Gemüt wie ein Kleinkind, Ailton also saß auf seinen gepackten Koffern und wartete auf sein Flugzeug nach Frankfurt, von wo aus er nach Brasilien weiter wollte.

Der Atatürk-Airport ist nicht gerade klein, jemanden dort zu finden, der nicht gefunden werden will, dürfte nicht einfach sein – andererseits, Eksi hätte ja zum Informationsschalter gehen und um eine Durchsage bitten können: „Der kleine Ailton wird vermisst, er ist ungefähr einen Meter zwanzig groß, trägt zwei riesige Koffer und ein riesiges Unterkiefer, er hat dunkle Haut, schwarzes Haar und keinen Hals.“ Er hat es nicht getan, wieso auch, er hat ihn auch so gefunden. Zu dumm für Ailton, denn er hat ihn wieder mitgenommen.

Bei Besiktas wollte ihn aber auch keiner mehr, Trainer Jean Tigana zumindest hat sofort erklärt, Ailton könne gehen, wenn er wolle. Deshalb wird Ailton also doch bald wieder zum Flughafen fahren und nach Brasilien fliegen, und diesmal wird ihn keiner suchen. Hoffentlich wissen seine Verwandten in Brasilien, dass er bald kommt – nicht, dass ihn am Flughafen keiner abholt.

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Bisher gibt es 2 Kommentare zu diesem Beitrag
1.

Von stevey am 25.12.2005 um 18:40

immer wieder geil vom ailton zu lesen, der hammer der typ…

2.

Von menotti am 25.01.2006 um 15:28

der will nur mal wieder seinen pullermann irgendwo in deutschland zeigen können. in der türkei hatte er doch ein wenig angst davor.

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