Deutschlands blamables 1:4 gegen Italien
| 2. März 2006 |
Es war am Ende nicht ganz klar, wer mehr Mitleid verdient gehabt hätte: Günter Netzer, weil er wegen einer verlorenen Wette in goldenem Sakko, gelber Krawatte und schwarzen Stiefeln mit goldener Verzierung auftreten musste und damit aussah wie der Chef der Reeperbahn? Gerhard Delling, weil er die ganze Zeit von diesem gold geblendet wurde? Deutschlands Fußballer, weil sie so hilflos umher rannten? Italiens Fußballer, weil die Deutschen nicht richtig mitspielen wollten? Die deutschen Fans, weil sie eingepfercht in einem Käfig hinter Gittern zusehen mussten? Oder weil sie überhaupt zusehen mussten? Oder doch Jürgen Klinsmann? Auf jeden Fall aber war das Mitleid an sich noch das positivste Gefühl, dass alle deutschen Beobachter - außer Christian Wörns vielleicht - nach der peinlichen 1:4-Niederlage der Nationalelf gestern Abend gegen Italien empfanden.
Günter Netzer zum Beispiel war wohl ziemlich enttäuscht, und vielleicht auch bisschen beschämt, dass er als Fußballer den gleichen Adler auf der Brust trug, wie gestern Jürgen Klinsmanns Nachwuchs-Mitläufer. Man kann Netzers Gefühle zwar nicht an seinem Gesichtsausdruck ablesen, er blickt immer gleich grimmig, sein Scheitel sitzt immer gleich souverän, und seine Wortwahl ist immer gleich trocken, viel trockener und emotionsloser noch als die Sätze eines Steuerberaters - doch es kommt einem so vor, als entlüde sich Netzers innere Gefühlslage auf Gerhard Delling, als würde er noch mehr verbal subtile Seitenhiebe einbauen, wenn er wütend ist. “Das letzte Mal, als Deutschland so schlecht gespielt hat, war damals auf Island”, sagte Netzer einmal, und dann, ganz nebenbei: “Können sie sich überhaupt noch erinnern an Island, Herr Delling?” Er wartete die Antwort gar nicht erst ab und redete weiter, sprach von einer ahnungslosen Mannschaft (”sie spielen auf Abseits, ohne zu wissen, wie man das macht”) und von seinem äußerst negativen subjektiven Eindruck (”keiner gefällt mir”). Selbst dem Treffer zum 1:4 von Robert Huth konnte er nichts Positives abgewinnen: “Da hat Huth ohne nachzudenken einfach aufs Tor geschossen. Der Erfolg gibt ihm Recht. Aber ein anderes Tor hätten wir auch nicht schießen können.”
Man kann Netzer verstehen, hat er doch im Grunde nur die Gefühlslage aller deutschen Fußballfans im Stadion und vor dem Fernseher wiedergegeben. Auch wenn das vielleicht ein bisschen gemein Robert Huth gegenüber war; Huth kam ohnehin nicht besonders gut weg gestern, weil auch ARD-Kommentator Reinhold Beckmann seine Einschätzung über Huths Qualitäten preisgab. Nach dem 0:3, bei dem Huth dem Torschützen de Rossi nur zugesehen hatte, stellte Beckmann fest: “Da fehlt einfach die Schnelligkeit im Kopf, klar, wenn man 0:2 zurückliegt, dann knallen die Synapsen nicht mehr.” Ob Huth überhaupt Schwierigkeiten mit seinen Synapsen hat, hat Beckmann dann nicht mehr gesagt, aber das ist ja auch egal. Dass der junge Ersatz-Verteidiger des FC Chelsea zumindest generelle Schwierigkeiten mit den schnelleren Synapsen anderer, echter Fußballspieler hat, hat er schließlich schon des Öfteren angedeutet.
Nun muss man fairerweise hinzufügen: Huth allein war nicht schuld. Nein, auch die anderen DFB-Spieler hatten ein Problem mit ihren Synapsen. Die ARD übertrug die Partie im Kinoformat mit schwarzen Balken am oberen und unteren Bildrand, und manchmal wirkte es, als seien die schwarzen Balken etwas tiefer gerutscht und vor den Augen der deutschen Fußballer hängen geblieben.
Vielleicht war sogar das neue Trikot schuld - Klinsmann will ja unbedingt, dass die Deutschen bei der WM in diesen roten Hemden auflaufen, wegen der Signalwirkung der Farbe rot. Das wird er sich jetzt noch einmal überlegen; die Farb-Assoziation ist nun von Anfang an negativ (”Die ganze Welt lacht über unsere roten Flaschen”, schrieb beispielsweise die Bild-Zeitung). Außerdem sind die Trikots Geschmackssache, komplett rot, nur ein Arm ist schwarz, weshalb der schwarze Arm aussieht, als würde er da nicht hingehören. Das wäre auch so eine gefährliche Assoziation, schwarzer Arm und die deutschen Nationalspieler bei der WM - und noch ein Grund mehr, weshalb die roten Trikots schnell wieder verschwinden sollten.
Gold, und damit zurück zu Günter Netzer, wäre allerdings auch keine Lösung. “Wie kann man so etwas nur tragen”, hat sich Netzer selbst über sein Outfit gewundert und in der Halbzeitpause wohl insgeheim den schicken Anzug von Oliver Bierhoff bewundert. Bierhoff war gekommen, um den Namen des FSV Lückenwalde aus einer Kugel zu ziehen, des Amateurvereins also, der im Mai gegen die deutsche Nationalmannschaft antreten darf. Lückenwalde spielt in der Verbandsliga Brandenburg, man denkt schon an bierbäuchige Hobbykicker, die jubelnd über den Platz laufen, und an Robert Huth, wie er noch über seine Synapsen nachdenkt. FSV Lückenwalde gegen Deutschland, es war eine Steilvorlage für Günter Netzer. Doch er hat nichts gesagt. Er hat einfach geschwiegen.

Der Link im Text funktioniert nicht, ich glaub das ist der Richtige:
http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/wm2006/aktuell/03/02/netzer-gottschalk-auftritt/netzer-gottschalk-auftritt,templateId=renderKomplett.html
Oder hier:
http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/medien/tv/244613
Für den dens interessiert hier ein paar Stimmen zum Spiel:
http://sport.ard.de/wm2006/wm/news200603/02/audio_stimmen_deutschland_060301.jhtml
P.S. Weiß eigentlich jemand ob uns wieder Heribert Faßbender bei der
WM als Moderator drohen wird?
Und wie lange moderiert der eigtl. schon bei großen Fussballturnieren im TV?
40 Jahre? 45?
Der Verein heißt fsv63 Luckenwalde, hier ein Link zum Artikel zum Spiel auf deren Homepage:
http://www.fsv63-luckenwalde.de/v6/index2.php?newsId=229
Luckenwalde könnte aber auch ein Land sein.
In dem gleichen Artikel steht nämlich auch:
“nämlich ein offizielles Länderspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft gewonnen zu haben”
Aber keine Sorge die sind zur Zeit nicht gut drauf, die haben gegen die
Zweite Mannschaft von Babelsberg 03 nur 0:0 gespielt und gegen den
abstiegsgefährdeten FC Straußenberg daheim sogar 2:0 verloren.
Ist wohl eher ein kleineres Land.
@Tilly: Das vom Faßbender weiß ich leider auch nicht. Der könnte [meiner Meinung nach] gut Meditations-und Einschlaf-CDs besprechen.
hör mir bloß mit dem faßbender auf…aber ich glaub, den ham sie eh schon abgesetzt, kann mir nicht vorstellen, dass der zur wm noch mal aus der kiste spriongt…den netzer find ich übrigens geil, wie der den delling immer verarscht, super…