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WM-Quartiere: Brasilien in Königstein

 14. Dezember 2005

Vielleicht ist es ja doch nicht die richtige Wahl für Brasilien, während der WM 2006 das Kempinski-Hotel Königstein-Falkenstein im Taunus aufzusuchen. Nicht, weil das Hotel den Ansprüchen des mutmaßlichen Weltmeisters 2006 nicht genügen würde, das könnte es möglicherweise sogar, sondern weil es wohl ungerecht ist, dass ausgerechnet die Brasilianer dort wohnen dürfen. Schließlich bietet das Hotel einen so genannten Medical Check-Up (Preis pro Person: 1300 Euro), darin inbegriffen ist neben einer Sonographie der inneren Organe, eines Laktakttests und einer Laboranalyse des Blutes auch eine „Stressmessung“. Die Brasilianer werden aber keinen Stress haben bei der WM, höchstens die Deutschen, vielleicht noch die Schweizer und die Jungs aus Angola – aber die Brasilianer? Ungerecht.

Andererseits: Zeitweise war auch Castrop-Rauxel als WM-Standort für den aktuellen Titelträger im Gespräch – dann doch lieber Königstein. Das Hotel dort ist schließlich etwas Besonderes, wie die Brasilianer auch. Es ist 2001 in die Kategorie „Fünf-Sterne-Superior“ aufgestiegen, die Brasilianer sind dort nachweislich schon länger; nur 20 Hotels weltweit sind in dieser Leistungsklasse, die Konkurrenz der Brasilianer ist sogar noch kleiner; das Kempinski Königstein bietet seinen Gästen nach eigener Aussage „ein Ambiente zum Wohlfühlen“, und die Brasilianer – nein, das wäre jetzt übertrieben.

Eines der wichtigsten Kriterien für Königstein war, neben den Wander- und Laufwegen in 400 bis 800 Metern Höhe, die Abgeschiedenheit, die sich schon in dem Ortsnamen Königstein-Falkenstein erklärt. Früher war sogar Kaiser Wilhelm II. Gast an dieser Stätte, und der hatte ja bestimmt auch einige Fans, wenn auch wohl nicht so viele wie Ronaldinho und seine Mitspieler. Und: Neben 105 Zimmern, Appartements und Suiten („Grafensuite“, „Fürstensuite“, „Kaisersuite“), einem Golfplatz und anderen Annehmlichkeiten gibt es auch eine geräumige Sporthalle, weshalb die Süddeutsche Zeitung in ihrer morgigen Ausgabe feststellen wird, dass auch für die „einigen Hundertschaften Presseleute im ständigen Begleittross gesorgt sein“ wird.

Sogar die Amateure des ortsansässigen Bezirksliga-Klubs 1. FC-TSG Königstein werden einen Nutzen haben von der Herbergswahl der Brasilianer, auch wenn sie ihren Fußballplatz nun nicht mehr benützen können, wann sie wollen. Aber sie lernen sicherlich viel von den Brasilianern, allein Zuschauen soll ja schon einen Effekt haben. Die Königsteiner Kicker halten es da ganz wie die Deutsche Nationalmannschaft.

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