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Beiträge aus der Rubrik 'Gehacktes der Woche'
Prämiert in KW 19 - 2006
Der Fußballspieler Wolfgang Wolf war ein ziemlich robuster Verteidiger beim VfR Hettenleidelheim, er galt als zweikampfstark, eher nicht als filigraner Techniker. Später hat er beim 1. FC Kaisersalutern gespielt, als Lautern einmal Dritter und dreimal Vierter der Bundesliga wurde. Inzwischen ist Wolfgang Wolf Trainer des FCK, und als solcher ist ein einstelliger Tabellenplatz in der Ersten Liga ziemlich utopisch. Am vergangenen Wochenende sind Kaiserslautern und Wolf abgestiegen.
Danach war Wolf, den sie oft den “Bodenständigen” nennen, verbal kaum zu bremsen: Kaiserslautern habe den Etat nun schon bei zwölf Spielern ausgeschöpft, und man dürfe sich “nicht zu Tode sparen”. Noch während die Fans weinten, die Spieler fassungslos umherirrten und in der Chefetage erste Kondolenzbezeugungen entgegen genommen wurden, redete Wolf von der kommenden Saison - was ja durchaus legitim ist. Nur sprach er dann noch eine Drohung aus: Wenn man ihm keine Perspektive biete, sagte er, “dann bin ich weg”.
Für seine sonderbare Drohung im denkbar ungünstigsten Moment eines Fußballerjahres erhält Wolfgang Wolf von SCHLUSSMANN.DE das Gehackte der Woche - er hat es sich wirklich verdient.
Prämiert in KW 18 - 2006
Wir müssen an dieser Stelle mal was klarstellen, denn es scheint da gleich bei mehreren Fußballern Missverständnisse zu geben. Mit dem Gehackten der Woche zeichnen wir NICHT jene Spieler aus, die Gehacktes aus den Unterkiefern der Gegner machen. Oder, äh, naja, diese Woche schon.
Stellvertretend für Ismaël, Wörns und ein bisschen auch für den Genitalgreifer Lincoln darf Francis Kioyo den Preis entgegen nehmen. Dank seines unermüdlichem Drangs nach Zerstörung - gleichermaßen von Verteidigerkörpern wie dem Prinzip der Fairness - schlug der Stürmer von Energie Cottbus gestern gleich zwei Spieler der Offenbacher Kickers k.o. Ramazan Yildirim musste mit einem Kieferbruch ausgewechselt werden, für den zweiten Check gegen Daniel Schumann gibt es prima Fernsehbilder, sodass Kioyo sicherlich noch weitere Preise bekommen wird, zum Beispiel Urlaub vor dem Saisonende. Ist auch ein Weg, den Aufstieg zu vermasseln.
Herzlichen Glückwunsch!
Prämiert in KW 17 - 2006
Ausnahmsweise geht das Gehackte der Woche diesmal nicht an eine Person oder eine Zeitung, sondern gleich an einen ganzen Verein. Die Jury ist der Meinung, dass sich der TSV 1860 München diese Auszeichnung redlich verdient hat: Er hat ja schon mehrmals in dieser Saison Anlass zu überregionaler Beobachtung gegeben, praktisch täglich gibt es Neues von der Daily Soap an der Grünwalder Straße.
In der vergangenen Woche nun kam der dramaturgische Höhepunkt: Die Löwen haben sich an den Erzrivalen verkauft. Sie haben den FC Bayern München um ein Darlehen angebettelt und haben 11 Millionen Euro erhalten, zu einem beachtlichen Zinssatz von 6,5 Prozent. Somit ist inzwischen genau das eingetreten, was die Gegner der Arena seinerzeit befürchteten: Die Löwen sind abghängig vom FC Bayern, und sie sind Gast in ihrem Heimspielstadion. Bei der Pressekonferenz, auf der die Transaktion bekannt gegeben wurde, saßen die Vertreter der Sechziger wie Schulbuben neben Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.
Für den Verkauf ihrer Seele und die unfassbare Fehleinschätzung, die Fans würden schon damit klar kommen (beim Regionalligaderby gab es Ausschreitungen deswegen, und im Fanforum sind die Anhänger auch nicht besonders begeistert) erhält der TSV 1860 München von SCHLUSSMANN.DE das Gehackte der Woche - zutiefst herzlichen Glückwunsch!
Prämiert in KW 16 - 2006
Das Gehackte der Woche muss ja nicht immer sarkastisch oder ironisch sein, vielmehr hat sich die Jury entschlossen, diesmal ehrlich einen Fußballer zu ehren, der mit seiner herrlich unverblümten Sprache einfach mal eine Auszeichnung verdient hat: Sepp Maier. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat Maier, der große Torwart, mal wieder kein Blatt vor den Mund genommen und Jürgen Klinsmann als “schwäbisches Dingsbums” und “Schleimer” bezeichnet.
SCHLUSSMANN.DE empfiehlt: Lesen, das Intverview, und bedankt sich bei Sepp Maier dafür, dass endlich mal einer offen seine Meinung sagt und auf das bei Fußballern leider übliche rhetorische Flachpass-0:0 verzichtet. Herzlichen - und ehrlichen - Glückwunsch!
Prämiert in KW 15 - 2006
Die Geschichte wiederholt sich jedes Wochenende: Der TSV 1860 München wollte mal in die Erste Bundesliga aufsteigen, aber aber die Löwen spielen schlecht, sie verlieren, sie verlieren andauernd. Danach treten sie vor die Mikrofone, reden von “zusammen halten” und “an einem Strang ziehen”, und davon, dass man sich die Misere nicht erklären könne.
Gestern Nachmittag hat 1860 in Aue gespielt und hat, natürlich, verloren, 0:3. Der Manager Stefan Reuter hat den Auftritt als “Frechheit” bezeichnet, und er hatte wohl Recht damit. Der Abstand auf die Abstiegsränge zur Reginalliga beträgt nun nur noch magere zwei Punkte. Dabei ist alles doch eigentlich ganz einfach, nicht wahr? Kaptän Matthias Lehmann hat nach Schlusspfiff gesagt, man müsse die restlichen Partien eben gewinnen, egal wie: “Jetzt gibt’s keine Schönspielerei mehr, sondern nur noch Siege.” Na dann. Ist doch eine gute Idee, dass die Löwen jetzt nicht mehr schön spielen wollen, sondern gewinnen. Haben ja oft genug schön gespielt, so schön, dass die Fans schon vor dem Spiel freudig waren, wie schön ihre Mannschaft diesmal wieder spielen würde.
Glückwunsch an Matthias Lehmann, für diese überaus treffende Selbsteinschätzung erhält er von SCHLUSSMANN.DE das Gehackte der Kalenderwoche 15!
Prämiert in KW 14 - 2006
Man kann über die Medien sagen, was man will, fest steht aber: Das Fernsehen ist barmherzig, es ist nächstenliebend. Es besorgt Menschen Jobs, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie ihren Tag füllen sollen, es gibt Menschen Titel, wenn ihre selbst erworbenen längst vergessen sind. Thomas Helmer zum Beispiel: Der war mal Deutscher Meister und Europameister, dann war ihm langweilig (vermutlich), und jetzt darf er im DSF eine Fußballsendung moderieren, obwohl die Universitäten und Journalistenschulen jährlich viele besser ausgebildete und talentiertere Moderatoren hervorbringen (die das Geld für ihre Ausbildung dank der Helmers oftmals umsonst investiert haben und arbeitslos von der Couch aus kopfschüttelnd zusehen müssen). Oder Boris Becker: Erst Tennisjüngling, dann Weltstar, Ikone, Held, und jetzt? Moderator, Interviewer. Kein Held mehr.
Oder eben Udo Lattek: Der war einmal der erfolgreichste Vereinstrainer der Welt, hat unglaubliche Erfolge gefeiert - heute ist er so genannter “Experte” und so oft im “Doppelpass”-Studio des DSF im Münchner Kempinski-Hotel, dass man vermuten möchte, Lattek hätte dort inzwischen ein Zimmer bezogen und würde nur noch zwischen Bett, Lounge (Studio) und Hotelbar hin- und herwandern. Nicht, dass wir ihn nicht mögen würden: Es ist lustig und manchmal sogar ein bisschen aufschlussreich, ihm zuzuhören. Gestern, in einer möglicherweise historischen Sendung (Loddar war da! Und Weißbier-Rudi!), hat Lattek zur Torwartfrage sinngemäß gesagt, man solle Lehmann und Kahn einfach bei der WM zusammen in ein Zimmer stecken und dann die natürliche Auslese entscheiden lassen. Alle haben gelacht, wir auch. Deshalb ist es für die Jury von SCHLUSSMANN.DE eine Ehre, dem Experten Udo Lattek diesmal das Gehackte der Woche zuzusprechen - Herzlichen Glückwunsch!
Prämiert in KW 13 - 2006
Es ist bekannt, dass sie bei Real Madrid etwas anders denken als anderswo; dass sie dort Größenwahn nicht als Plage sehen, sondern als Gabe. Und was haben sie nicht schon alles Größenwahnsinniges getan: für 45 Millionen Euro Ronaldo gekauft, für 30 Millionen den spanischen Ersatznationalspieler Sergio Ramos geholt, für 27 Millionen Euro Robinho als Stürmer Nummer zehn (!) verpflichtet, scheinbar willkürlich Trainer entlassen.
Fernando Martin, der neue Präsident von Real Madrid, legt nun noch einen drauf: Der Trainer der “Galaktischen”, wie sie sich selbst bescheiden bezeichnen, werde in der kommenden Saison einer dieser sieben sein: Arsène Wenger (mit dem potenziellen Champions-League-Finalisten Arsenal London glücklich verheiratet), José Mourinho (fest im russischen Millionenmeer von Chelsea London verankert), Fabio Capello (beim sportlich derzeit wesentlich reizvolleren Juventus Turin angestellt), Carlo Ancelotti (beim AC Mailand unter Vertrag, siehe Capello), Marcello Lippi (Renten-Traumjob bei der italienischen Nationalmannschaft), Rafael Benítez (in der erfolgreichen und gut bezahlten Fußballidylle des FC Liverpool) und Sven-Göran Eriksson (als ungeliebter englischer Nationalcoach zwar ein durchaus denkbarer Kandidat für Real, wegen Scheich-Posse aber auch ein fragwürdiger).
Das Gehackte der Kalenderwoche 13 von SCHLUSSMANN.DE geht also wegen erwiesener Weltfremdheit an: den großartigen Fernando Martin! Glückwunsch!
Prämiert in KW 12
Der deutsche Bundestrainer und schwäbische Bäckerssohn Jürgen Klinsmann ist eigentlich ein ruhiger Mensch, er wird nie ausfallend, Weißbier-Vorwürfe und andere rauhe Töne gegenüber Journalisten sind ihm völlig fremd. Umso überraschender kam Klinsmanns General-Kritik an den Journalisten des Landes nach dem 4:1-Sieg gegen die USA: Klinsmann verurteilte alle Pressevertreter generell, er schimpfte über Berichterstattung “unter der Respektsgrenze” und fügte hinzu, man wisse nun ganz genau, “mit wem wir während der WM zusammenarbeiten - und mit wem nicht”.
Klinsmanns Fähigkeiten als Revoluzzer und Sportsmann in allen Ehren - aber das war unüberlegt, mal wieder. Er benutzte Worte wie “Ihr” oder “Euch”, was die Süddeutsche Zeitung zu dem treffenden Kommentar veranlasste: “Ihr, Euch - als wären Syker Kreiszeitung und Bunte, der Katholische Nachrichtendienst und tz eine homogene Medienmasse”. Die irritierte Reaktion vieler Journalisten, die sich nicht zuletzt in der SZ-Nachberichterstattung widerspiegelte, zeigt: Klinsmann ist es offenbar gelungen, mit seiner unverhältnismäßigen General-Beschimpfung auch ihm Wohlgesonnene zu verprellen. Vielleicht sollte er demnächst einen Kurs belegen: “Mit Unsinn aufhören in 75 Tagen - Wie man lernt, das Kaputtmachen seines mühsam erworbenen Rufes durch kosequentes Begehen von leichtsinnigen Fehlern zu beenden”, so was in der Art.
Fürs erste erhält Jürgen Klinsmann - auch ohne Kurs - schon mal eine Auszeichnung: Das Gehackte der Kalenderwoche 12 von SCHLUSSMANN.DE. Glückwunsch!
Prämiert in KW 11
Da hat sich aber jemand ganz übel verpokert. Der FC Bayern in der Opfer-Rolle, und trotzdem sagt niemand: das geschieht ihnen recht (zumindest nicht öffentlich)! Muss dann schon ein ganz grober Bock gewesen sein. Dass der Co-Autor des umstrittensten Fußballartikels des Jahres auch noch Sohn eines Weltmeisters ist und mit Bastian Schweinsteiger bekannt, macht die ganze Sache nur noch kurioser.
Die Münchner tz hat in ihrer Ausgabe vom 20. März eine Gegendarstellung auf Seite 1 abgedruckt und sich auch schon dafür entschuldigt, Bastian Schweinsteiger fälschlicherweise als Wettpaten-Opfer entlarvt zu haben - und ganz nebenbei noch zwei Spieler des TSV 1860. Zum Glück haben beide Mannschaften am Wochenende gewonnen, sonst hätten die Münchner Vereine die tz noch auf psychisch bedingten Punkteausfall verklagt. Aber die Geschichte ist für das Boulevardblatt schon schlimm genug: Die Spielberichte über Bayern und 60 setzen sich zu großen Teilen aus Zitaten von anderen Medien zusammen, weil mit ihnen keiner mehr redet.
Selten ist es so leicht gefallen: Das Gehackte der Woche geht an die Münchner tz für ihren investigativen Beitrag zur Steigerung der allgemeinen Nervosität vor der Fußball-WM.
Prämiert in KW 10 - 2006
Als John F. Kennedy sagte, er sein ein Berliner, da meinte er natürlich nicht, dass er jetzt dort hin ziehen werde. Er meinte lediglich, dass man sich in Berlin auf ihn verlassen könne. Wenn sie ihn in schweren Zeiten bräuchten, dann werde er sie nicht hängenlassen.
So gesehen hat Tim Wiese in den letzten Tagen ganz oft den Kennedy gegeben. Zunächst in Turin, wo er mit seinem Fehler kurz vor dem Abpfiff Juve vor einer handfesten Krise bewahrte, mit der in Italien niemand gerechnet hätte, und die deshalb umso schlimmer gewesen wäre. Und nun, am Wochenende, erlaubte sich der Pink Panther der Nation einen weiteren Krapfen. Wäre das mit Turin nicht passiert, man hätte als amtierender Champions League-Teilnehmer beim 1:0 des Herthaners Boateng gesagt: Die Marmelade putzen wir einfach weg, den Mund auch, weitermachen. So aber bekommt Tim Wiese von SCHLUSSMANN.DE das Gehackte der Woche verliehen, für seine unermüdlichen Beiträge zur Völkerverständigung.
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