Kölns Trainer Latour
| 10. Januar 2006 |
Die Neue Züricher Zeitung hat einmal über Hanspeter Latour geschrieben: “Manche Trainer fechten mit dem Degen, Latour aber hat ein Schwert in der Hand.” Weiterhin: “Latour kann mit Worten verletzend sein, die Spieler verbal durchschütteln.” Und: “Latour ist der geborene Kommunikator.” Inzwischen ist der Schweizer Latour in der Bundesliga angekommen, beim 1. FC Köln, und das passt ja auch gut zusammen: die kölsche Klappe und Latours Sprüche. SCHLUSSMANN.DE hat ein paar Episoden und Sprüche von und über Hanspeter Latour gesammelt.
Als Latour 1997 als Nachwuchs- und Torwarttrainer zu den Grasshoppers Zürich kam, wartete harte Arbeit auf ihn. “Sie haben mich in eine Besenkammer gesteckt und diesen Abstellraum als mein Büro bezeichnet”, hat er einmal erzählt. Damals schwor er sich, irgendwann einmal das Klubgebäude durch die große Tür zu betreten. Sieben Jahre später wurde er Cheftrainer der Grasshoppers.
“Fußballer müssen in einen Grenzbereich getrieben werden, und die Mittel, die dem Trainer dazu zur Verfügung stehen, sind unter anderem die Sprache, die Gestik sowie starke Sinnbilder.” (Latour 2004)
Kölns Manager Michael Meier sagt, Latour sei der einzige gewesen, mit dem er gesprochen habe, “ich habe ein gutes Gefühl gehabt”, weshalb er ihn ohne Bedenken von den Grasshoppers Zürich nach Köln holte. Meier kennt dieses Gefühl: 1991 verpflichtete Meier, damals noch Manager von Borussia Dortmund, einen relativ unbekannten Trainer von den Grasshoppers. Später gewann Ottmar Hitzfeld mit Dortmund unter anderem zwei deutsche Meistertitel und die Champions League.
“Ich habe den Baumstamm nicht absichtlich dahin transportieren lassen und auch nicht absichtlich die Strecke ausgewählt, aber es hat sich angeboten.” (Im Trainingslager des 1. FC Köln forderte Latour beim Waldlauf Stürmer Lukas Podolski auf, einen Baumstamm wegzuräumen, was ihm nicht gelang, bis die Kollegen anpackten)
“Hurra, der Messias ist da!” (Plakat beim ersten Training Latours beim 1. FC Köln)
“Neulich hatten wir mit den Grasshoppers gegen ein Team zu spielen, das über einen sehr guten Einzelspieler verfügt. Da habe ich vor unserem morgendlichen Lauf einen Ball hoch auf eine Mauer legen lassen. Als wir da vorbei gekommen sind, habe ich die Mannschaft gestoppt, hoch gedeutet und gefragt, ob der Top-Mann des Gegners diesen Ball da herunter holen kann. ‚Nein’, haben sie gesagt. ‚Aber wir können es’, habe ich ihnen geantwortet. Also haben sie einander auf die Schultern gehoben und haben gemeinsam den Ball geholt. Natürlich geht so etwas nicht immer auf, aber das Spiel haben wir gewonnen.” (Latour über seine Motivations-Methoden)
“Beim FC Thun haben wir nach Spielen stets eine genaue Analyse und anschließend einen regenerativen Lauf gemacht, an dessen Ende wir durch eine Autowaschanlage gelaufen sind. Auch nach Siegen übrigens, es sollte damit symbolisch die Vergangenheit abgeschlossen werden. Meistens war die Waschanlage aus - aber nicht immer.” (noch mal Latour über seine Motivations-Methoden)
Latour ist gelernter Chemielaborant und hat in Thun in Forschungsprojekten der Gruppe für Rüstungsdienste in der Schweizer Armee gearbeitet. Er sagt: “Wir haben geforscht und Schadensfälle analysiert. Aber das ist vertraulich.” Erst mit 41 Jahren begann der heute 58-Jährige, professionell als Fußballtrainer zu arbeiten.
Glück für den 1. FC Köln - möglicherweise.
