Erikssons Fake-Angebot aus Dubai
| 17. Januar 2006 |
Eigentlich ist das ja ein alter Hut in England: Mazher Mahmood, Reporter der Boulevardzeitung News of the World, verkleidet sich als Scheich, wirft mit Millionen um sich und nimmt Prominente auf den Arm, seit nunmehr acht Jahren schon. Doch vielleicht sieht Sven-Goran Eriksson ja nie fern oder liest auch nie Zeitung - möglicherweise hat er keine Zeit, als englischer Nationaltrainer ist man sicherlich das ganze Jahr über schwer beschäftigt. Oder er hat sich von seinem bescheidenen Jahresgehalt von 6,5 Millionen Euro einen Studenten eingestellt, der das für ihn übernimmt, Zeitung lesen, fernsehen und so was. Ja, so muss es sein - anders ist es nicht zu erklären, weshalb Eriksson jetzt auf Mahmood hereingefallen ist. SCHLUSSMANN.DE hat das Protokoll der Peinlichkeit, das die Zeitung triumphierend publiziert hatte, übersetzt und zusammengefasst. Originaltitel: “Sven’s dirty deals”.
Das Luxushotel Burj al-Arab in Dubai. An einem Tisch sitzen Sven Goran Eriksson, sein Agent Athole Still, der als Scheich verkleidete Mahmood und ein weiterer “Undercover-Reporter” der Zeitung, es gibt Hummer. Das Gespräch plätschert ein wenig dahin, als Mahmood und sein Komplize (im Folgenden “Faschingsscheichs” genannt) eröffnen, sie würden gerne in die Premier League einsteigen.
Faschingsscheich 1: Welcher Klub wäre denn dafür geeignet?
Eriksson: Aston Villa steht zum Verkauf. Der Besitzer ist ein alter Mann. Er ist krank.
Still: Er ist 83. Er will aufhören.
Die vier diskutieren über den Preis, den Still auf umgerechnet rund 36,5 Millionen Euro taxiert. Nach einiger Zeit wird schließlich über die Besetzung des Trainerpostens gesprochen.
Faschingsscheich 1: Wie könnte man den richtigen Trainer finden?
Faschingsscheich 2: Könnten wir Sie aus England weglocken?
Eriksson: (lacht)
Faschingsscheich 1: Aber es ist Ihnen nicht erlaubt, zwei Jobs anzunehmen, oder?
Eriksson: Nein, aber alles ist machbar. Allerdings erst am Ende der Saison.
Faschingsscheich 1: Im Ernst - wären Sie interessiert oder machen Sie nur Witze?
Eriksson: Nein, ich mache keine Witze. Mein Vertrag läuft zwar bis 2008, aber nach fünfeinhalb Jahren…ist schon eine ziemlich lange Zeit, um Trainer in England zu sein.
Am nächsten Tag. Eriksson, Still und der Anwalt Richard Des Voeux und die Faschingsscheichs sitzen auf der Luxusyacht “Eternity” im Hafen von Dubai. Eriksson trägt ein legeres blaues T-Shirt. Es geht ums Geschäft: Eriksson verlangt ein Gehalt von umgerechnet 7,5 Millionen Euro netto plus Prämien. Dann wird überlegt, wie Eriksson aus dem Vertrag mit Englands Football Association (FA) herauszulösen wäre.
Still: Es gibt keine Kündigungsfrist.
Des Voeux: Es gibt immer Mittel und Wege, falls Sven da wirklich raus will.
Später wechselt er das Thema, es geht jetzt um potenzielle Spieler.
Eriksson: Ich habe Michael Owen gefragt: “Bist Du glücklich?” Er hat geantwortet: “Eigentlich nicht, aber wirtschaftlich gesehen hab’ ich nie so viel Geld in meinem Leben verdient.” Das heißt also, dass Newcastle noch mehr bezahlt als Real Madrid. (…) Er sagte: “Sie gaben mir ein Haus, sie gaben mir ein Auto, es ist unglaublich.” Das mussten sie aber auch, weil er sonst nicht nach Newcastle gegangen wäre.
(…)
Faschingsscheich 1: Wie ist dieser Rooney? Was ist er für ein Typ?
Eriksson: Er kommt aus einer sehr armen Familie, und einer sehr rauen…
Faschingsscheich 2: …Nachbarschaft?
Eriksson: Sein Vater war Boxer. Er hätte auch Boxer werden können.
(…)
Faschingsscheich 1 (über Nationalverteidiger Rio Ferdinand): Sie haben ihn schon mal aus dem Kader gestrichen, nicht?
Eriksson: Einmal, ja. Er war nicht in Form.
Faschingsscheich 2: Hat ihm das den Kick verpasst, den er gebraucht hat?
Eriksson: (nickt und klatscht in die Hände)
Faschingsscheich 2: Ist er einer dieser Spieler, die man antreiben muss, psychologisch gesehen?
Eriksson: Er ist faul manchmal.
Faschingsscheich 2: Ist er zu talentiert, so dass es nicht mehr zu seinem Besten ist?
Eriksson: Ja, zu talentiert.
Faschingsscheich 2: Er hat einen Bruder.
Eriksson: Ja, der spielt bei West Ham. Guter Mann.
Faschingsscheich 2: Aber nicht so gut wie…?
Eriksson: Er soll sogar besser sein. Das wäre einer, den Sie für Aston Villa kaufen könnten.
(…)
Eriksson: David Beckham könnte ich auch anrufen. (…) Wir haben eine Freundschaft, die weit über das Berufliche hinaus geht, unsere Beziehung ist so (grinst und kreuzt seine Finger). Wir sind Freunde, wir respektieren uns. (…) Aston Villa würde in einer Woche mehr Trikots verkaufen als in den letzten zehn Jahren. (…) Wenn Ihr Projekt gut läuft, sollte er der erste Spieler sein, den wir holen. (…) Erst am Montag hab’ ich mit ihm darüber gesprochen, allerdings nicht über Aston Villa.
Faschingsscheich 1: Was? Über eine Rückkehr nach England?
Eriksson: Ja.
Faschingsscheich 1: Und? Ist er interessiert?
Eriksson: Ja.
Faschingsscheich 1: Warum will er denn zurück? Ist er desillusioniert?
Eriksson: Weil er in der dritten Saison immer noch nichts gewonnen hat. Und er kann nicht erkennen, dass das besser werden könnte, Stars wie Zidane und Roberto Carlos werden älter, und er hat jetzt den fünften Trainer in dreieinhalb Jahren.
(…)
Still: Falls irgendeine Zeitung herausfinden sollte, dass er (Eriksson) hier war und mit Ihnen gesprochen hat, haben wir ein Alibi, weil ich einen persönlichen Brief an Brian Barwick (Chief Executive der FA) geschrieben habe.
Eriksson: Es ist aber sehr heikel, deshalb ist es besser, dass wir…
Faschingsscheich 1: …es für uns behalten.
