Die K-Frage ist entschieden
| 12. Juli 2006 |
Jetzt also ist es passiert: Jürgen Klinsmann hat seinen Rücktritt als Bundestrainer erklärt. Er verspüre den Wunsch, zu seiner Familie und “in die Normalität zurückzukehren”, sagte er. Alle Nachfolger-Spekulationen (Jürgen Klopp & Urs Meier, Lothar Matthäus & Giovanni Trapattoni, Waldemar Hartmann & Paul Breitner) waren nur von kurzer Dauer - der DFB gab übereinstimmend mit Bild bekannt: Joachim “Jogi” Löw, Klinsmanns Assistent, wird jetzt der Chef.
Eigentlich war es von Anfang an klar, dass es so kommen würde: Jürgen Klinsmann hätte auf keinen Fall weitergemacht, unabhängig vom Abschneiden der Mannschaft. Wäre sie früher ausgeschieden, hätte jeder nach einem neuen Bundestrainer verlangt, wäre sie Weltmeister geworden, hätte jeder (so wie jetzt der Fall) gehofft, dass er weitermacht - und er selbst hätte (oder hat) die Chance, am Höhepunkt aufzuhören. Man könnte jetzt sagen: Das war feige, Klinsi, weil es abzusehen ist, dass es in der EM-Quali nicht immer so gut laufen wird wie zuletzt. Es wäre interessant gewesen, wie Klinsmanns Methoden dann gewirkt hätten.
Andererseits: Man muss ihn verstehen. Er hat zwei Jahre lang seinen Kopf in die DFB-Schlinge gehalten, er hat zeitweise keine Luft mehr bekommen, so sehr haben alle (DFB, Bundesliga und Medien) daran gezogen, und er hat seinen Kopf während der WM ziemlich elegant herausgezogen. Warum sollte er ihn nun freiwillig wieder hinein legen? In die Normalität wolle er zurück, hatte er gesagt - ist das nicht ein Wunsch, den jeder von uns nach dieser WM hegt? Die Normalität?
Die WM war grandios, ein Ereignis für die Ewigkeit - und Jürgen Klinsmann gehört zu diesem Kapitel wie Uli Hoeneß zum FC Bayern. Es ist besser, ein Kapitel zu beenden, bevor es langweilig wird.
Wichtig ist nur, dass die von Klinsmann angestoßenen Methoden weiter geführt werden, damit die Basis, die während seiner Zeit geschaffen wurde, nicht ungenützt verschwindet. Mit Jogi Löw ist diese Voraussetzung erfüllt, schließlich hat er mehr dazu beigetragen als Klinsmann selbst. Es ist also viemehr so: Nicht Klinsmann beendet seine Arbeit - sondern Löw setzt seine fort.
