Lothar Matthäus wird Trainer in Brasilien
| 11. Januar 2006 |
Sind wir doch mal ehrlich: Man kann nur den Hut ziehen vor Loddar, der Mann macht alles richtig. Verdient viel Geld, reist um die Welt, sieht interessante Orte, kann so immer neue Frauen kennen lernen. Wien, Belgrad, Ungarn, dazu die Werbespots in Südafrika und anderswo, und jetzt Brasilien. Gut, seine Krawattenknoten sehen immer noch manchmal aus, als würde er extra viele Taschentücher hineinstopfen, damit sie größer wirken, als sie wirklich sind. Aber so ist er eben, unser Loddar, das ist halt sein Naturell.
Brasilien also. Genauer: Atletico Paranaense, beheimatet in Curitiba, Hauptstadt des südlichen Bundesstaates Paraná. Eine gute Wahl für Loddar, der Klub ist schon mal Meister geworden (2001), war im Finale der Copa Libertadores (2005), und läuft sogar in einem Stadion auf, das einen echten Sponsornamen trägt (Kyocera-Arena). Jeder große Verein, der was auf sich hält, spielt in so einem Sponsor-Tempel, Hansa Rostock zum Beispiel, oder Fortuna Düsseldorf. Auch wenn letztere es ein wenig übertreiben: Die Tribünen in der Düsseldorfer LTU-Arena heißen nicht etwa Nord- oder Südkurve, sondern “Warsteiner-Tribüne”, “LTU-Tribüne” und “Stadtsparkasse-Düsseldorf-Tribüne”. Das muss nicht sein.
Doch zurück zu Loddar. Manche behaupten ja, der Loddar wäre kein guter Trainer, wüsste nicht einmal, wie man Bewegungslehre oder Trainingswissenschaft schreibt. Wissenschaft, pah! Der Loddar hat die Erfahrung als Rekordnationalspielerdeutschermeisterpokalsiegerweltmeisterundpremierekommentator, wer hat das schon? In Wien zum Beispiel, als Loddar noch Trainer von Rapid war, hat er während einer Niederlagenserie beschlossen, seine Spieler in Zukunft mehrere Stunden vor dem Anpfiff im Stadion zu versammeln und als Begründung angeführt: “Nur so kann ich meine Mannschaft aus ihrer Ekstase holen.” Na bitte. Es gibt einen merkwürdigen Zustand, in dem man dauernd verliert und der “Ekstase” heißt, und wer hat das erkannt? Na? Eben.
Wir blicken also gespannt in die brasilianische Liga, hoffen, dass Loddar dort nicht lange bleibt - Männer mit derartigem Unterhaltungswert gehören einfach in die Bundesliga - und freuen uns auf Juni und Juli: Loddar hat sich nämlich in seinem Vertrag eine Freistellungsklausel für die Dauer der WM einbauen lassen. Er will bei Premiere als “Experte” arbeiten. Ganz schön schlau, Loddar.
