WM-Serie: Nationalspieler, deren Nominierung wir nicht verstehen (II)
| 24. Mai 2006 |
Es ist ein ganz natürlicher Vorgang, dass - speziell vor einer Weltmeisterschaft - das ganze Land voller Bundestrainer ist. Jeder hätte es besser gemacht als der echte Nationalcoach, und besser als Jürgen Klinsmann sowieso. SCHLUSSMANN.DE natürlich auch - deshalb beschäftigen wir uns in einer Serie mit Nationalspielern, deren Nominierung wir nicht verstehen. Heute Teil 2: Mike Hanke.
Die Zeitschrift Men’s Health hat vor kurzem eine Studie veröffentlicht, bei der die Ehrlichkeit deutscher Männer untersucht wurde und ihnen je nach Ehrlichkeit eine Zahl zugewiesen wurde. Auf Platz eins landeten mit einem, ja, das darf man sicherlich so sagen: geradezu sensationellen Wert von 8,91 die Männer aus Hamm in Nordrhein-Westfalen. Die ehrlichen Männer aus der Stadtverwaltung von Hamm haben schon lange vorher eine Liste veröffentlicht mit lauter anderen ehrlichen Männern, die in Hamm geboren wurden: Der Maler Fritz Everding steht darauf, der Fernsehmoderator Hanns Joachim Friedrichs, der Fußballspieler Horst Hrubesch, und auch, als letztes: “Mike Hanke, deutscher Fußballnationalspieler”. Mike Hanke, Nationalspieler. Mike Hanke, Nationalspieler! Man muss das schon zweimal lesen, um es zu begreifen.
Seitdem der Bundesschwabe Jürgen Klinsmann den WM-Kader nominiert hat, weiß man es aber ganz sicher: Mike Hanke ist und bleibt Nationalspieler, er wird bei der WM dabei sein, Kevin Kuranyi nicht. Die Nationalmannschaft war gerade auf Sardinien, Go-Kart-Fahren, Uhrenmacherkurs besuchen und Medizinbälle werfen; Hanke konnte nicht viel trainieren, krankheitsbedingt. Das hat er auch ganz ehrlich dem Jürgen gesagt, der - man weiß es nicht, aber man wäre zu gerne dabei gewesen - ihm vermutlich locker auf die Schultern geklopft und mit ihm zusammen ein paar Mal leise “Wir-sind-ein-Team” gesummt hat. Klinsmann hat Hanke nominiert, weil, nun, weil, ja, warum eigentlich?
Hanke ist Stürmer, er hat beim gerade-noch-Nichtabsteiger VfL Wolfsburg beeindruckende acht Tore in 31 Spielen erzielt. Er ist beim Confed Cup 2005 zum ersten Mal als Nationalspieler aufgetreten, er hat für sein erstes Länderspieltor nur drei Minuten Einsatzzeit gebraucht und für seine erste rote Karte 53 Minuten; seitdem er in seinem ersten Spiel von Anfang an ziemlich ungelenk und grobschlächtig mit dem Mexikaner Carlos Salcido umgegangen ist, ist er gesperrt, für zwei Länderspiele noch. Bliebe noch ein weiteres Spiel, um zum Einsatz zu kommen, vielleicht zwei.
Jürgen Klinsmann hat gesagt, er wollte mit Odonkor einen Überraschungsmann präsentieren, aber wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass die eigentlich Überraschung Mike Hanke ist. Und wenn man weiter ehrlich ist, muss man hinzufügen, dass Überraschungen manchmal gar keinen Spaß machen. Man stelle sich das einmal bildlich vor: Die robusten, kräftigen, finster blickenden englischen Verteidiger, oder die flinken, leichtfüßigen Brasilianer, oder die unbedarften, unbekümmerten Costa Ricaner einerseits - und dann der ehrliche, brave, blonde, blauäugige Mike mit dem kleine-Jungen-Gesicht, der ehrlichste von allen Fußballspielern, der den Gegnern auch mal den Ball hinterherträgt, wenn sie ihn verloren haben.
Angeblich hat Mike Hanke eine SMS von Kevin Kuranyi bekommen: “Schieß die Mannschaft trotzdem zum Titel.” Das klingt nett, aber es ist doch eher unwahrscheinlich - ganz ehrlich.
