Jens Lehmann nach dem Champions-League-Finale
| 18. Mai 2006 |
Man sagt ja, es gebe Tage, an denen sollte man besser im Bett bleiben. Der Tag, an dem das Champions-League-Finale stattfindet, zählt üblicherweise nicht dazu, schon gar nicht, wenn man selbst mitspielen darf. Bei Jens Lehmann aber war das gestern so: Er wäre besser nicht aufgestanden. Zum einen, weil er dann nicht am Abend Barcelonas Stürmer Eto’o niederstrecken hätte können, und zum anderen, weil er dann Uli Köhler nicht getroffen hätte.
So aber nahmen die Dinge ihren Lauf: 18 Minuten nach dem Anpfiff des Finales zwischen Arsenal London und dem FC Barcelona rannte Samuel Eto’o auf Lehmann zu, Mad Jens sprintete ihm entgegen, schmiss sich auf den Boden, wollte den Ball mit den Händen erwischen - und zog Eto’o die Füße weg. Alles weitere war Formsache, Lehmann musste duschen gehen, obwohl er noch gar nicht schwitzen durfte, Barcelona feuerte 22 Torschüsse auf seinen Nachfolger ab, zwei davon gingen rein, und am Ende war Ronaldinhos Grinsen so breit und groß, wie es selbst eine Stute beim Paarungsvorgang nicht hinbekommt. Lehmann schlich über den Rasen, aphatisch, traurig. Und dann kam auch noch Uli Köhler.
Der blonde (blondierte?) Sat1-Field-Interviewer mit der getönten Brille und dem etwas zu lässigen Look stand vor ihm, es war zwanzig nach elf, das Spiel war längst zu Ende. Lehmann blickte, als suche er irgendetwas, an das er sich klammern könne, aber als fände er nur Leere. Uli Köhler suchte Lehmanns Augen, und er fand - Lehmanns Augen. Momente wie dieser sind ja nicht gerade geschaffen für lockere Gespräche, Lehmann, der geknickte Torwart, die tragische Figur im bislang wichtigsten Spiel seines Lebens auf der einen Seite, Köhler, der etwas zu lässige getönte-Brillen-Träger auf der anderen. Man war jetzt auf alles gefasst, war sogar auf die schlimmste aller Fragen vorbereitet: “Jens, wie fühlst du dich?” Aber Köhler ist ja nicht so einer, er ist sensibel und seriös, der Mann war früher bei der Münchner Abendzeitung. Köhler hielt sich nicht auf mit Banalitäten.
Jens, fragte Köhler, wie ist denn das, wenn man so eine gute Saison spielt, die ganze Euphorie, der Lauf, kann es da sein, dass einen so etwas irgendwann mal einholt?
Wie, einholt.
Na die ganze Euphorie, es läuft alles zu gut, dass es schon unfair wird.
Hm.
Lehmann sagte dann irgendetwas von Momenten, in denen man mal Pech hat und so was. Die Frage hatte er nicht verstanden. Keiner hatte sie verstanden. Und plötzlich, wie Lehmann da so stand und mit leiser Stimme gequält redete und Köhler seine blonde (blondierte?) Frisur in die Kamera hielt und komische Fragen stellte - da überkam einen ein sonderbares Gefühl: Mitleid, und - wow - sogar ein bisschen Zuneigung.
Köhler hat irgendwann aufgehört und noch etwas Ermutigendes gesagt, ihm kumpelhaft auf den Arm geklopft, und als Oliver Welke wieder erschien und man zeitgleich noch die Worte von Kommentator Werner Hansch im Ohr hatte (”Meine Herren, der Letzte macht das Licht aus”), da dachte man plötzlich an die WM, weil man ja dauernd an die WM denkt in diesen Tagen, und man dachte an die Berichterstattung und die Fersehreporter. Und auf einmal hatte man ein bisschen Angst. Vor der Berichterstattung, vor dem Fernsehen und seinen Reportern, die etwas zu lässig sind.

fand die fragerei auch blöd…ist eh soft saublöd, was die immer so fragen!!
und ich mag den lehmann auch nciht, aber wie hier geschrieben hat man wirklich mitleid gefühlt…!!! was aber nichts dran ändert das ich den lehmann wirklich nicht mag,…