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Gerhard Mayer-Vorfelder hört auf

 8. September 2006

Gerhard Mayer-Vorfelder hat schon viele lustige Sätze gesagt und viele weniger lustige Dinge getan. Einmal zum Beispiel hat er folgenden Satz formuliert: “Ich bin fast tagtäglich im Schützengraben gestanden, und um mich herum sind die Giftpfeile geschwirrt.” Er hat diesen Satz gesagt, weil ihn jemand zu seiner militärischen Karriere gefragt hat, immerhin ist er ja Oberleutnant der Reserve und hat schon an zig Truppenübungen teilgenommen. Es ist ein interessanter Satz, weil er anders gemeint war, als er nun daherkommt, wenn man ihn einfach so für sich alleine stehen lässt. Gerhard Mayer-Vorfelder, der MV, ist nämlich schon in viele Schützengräben gesprungen und durch viel Dreck gerobbt, er war Politiker und Sportfunktionär. Jetzt ist alles vorbei. Vermutlich.

Theo Zwanziger ist zum alleinigen DFB-Präsidenten gewählt worden, ohne Gegenstimme. MV hatte vor zwei Jahren zugesichert, nicht mehr zu kandidieren; nur deshalb haben sie ihn damals nicht aus dem Amt geputscht. Seitdem war er eine Art Hilfspräsident, er ist weiterhin überall aufgetreten und hat sein Bösewicht-Grinsen in die Kameras gehalten. Das mag gemein klingen, und die Süddeutsche Zeitung fragt ja auch, ob man ihm, dem Scheidenden, nicht nur Positives nachrufen sollte - doch das gelingt einfach nicht. Weil er von Anfang an nach dem immer gleichen Motto gelebt und gehandelt hat: Nach dem Skandal ist vor dem Skandal.

Dabei hat der MV sich aber immer wieder Neues einfallen lassen, zum Beispiel Aussagen zur Völkerverständigung, mit denen er immer wieder auf erstaunlich offene Art und Weise seine Liebe für andere Länder zeigte. Wie 1998, als er den Gewinn der Fußball-WM durch die Franzosen so kommentierte: “Es soll nicht chauvinistisch klingen, aber hätten wir 1918 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus Deutsch-Südwest.” Oder 1989, als er dem Magazin “Der Spiegel” in einem Interview sagte: “Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und statt dessen die Polen, diese Furtoks und Lesniaks, spielen?”

Dabei hat er es doch immer nur gut gemeint. Hat nur das Geld genommen, dass er sich selbst gegönnt hat. Ist ja nicht seine Schuld, dass ihm die anderen das nicht gönnten und dass sie dann für seine außerordentlich vielfältigen und teils kreativen Tätigkeitsfelder Namen erfunden haben wie Lotto-Affäre, Stammtisch-Affäre, Graf-Affäre, Honorar-Affäre oder Südmilch-Skandal. Es ging ihm immer nur ums Geld, na und? Und dann musste er sich auch noch lächerlich machen lassen, als er noch Politiker in Baden-Württemberg war, in einer Landtagssitzung.

Vor drei Jahren ist MV 70 geworden, da war er noch bei seinem zweiten Verein tätig, dem DFB. Den ersten, den VfB Stuttgart, hatte er schon lange verlassen, zumindest offiziell, und geht es den Stuttgartern seitdem nicht richtig schlecht? Hatten sie nicht Probleme mit wirren italienischen Trainern und anderen Leuten, die unter MV niemals zu Wort gekommen wären?

Jetzt also tritt er ab von der großen Bühne, und zwar endgültig. Er ist ja schon öfter mal abgetreten von irgendwelchen Bühnen, aber dann hat er den Vorhang wieder aufgerissen und hat dem Publilumk eine Zugabe gegönnt. Der Applaus war stets verhalten, aber das hat ihn nie gestört. Nun aber wird ihn niemand mehr auf die Bühne lassen, ja nicht einmal mehr ins Theater. Bleibt zu hoffen, dass irgeneiner hinter ihm die Tür zusperrt.

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