Der 27. Bundesligaspieltag
| 26. März 2006 |
Oh weh, Köln.
Christopher Lamprecht, 20, hat in seinem neunten Bundesligaspiel für den VfL Wolfsburg sein erstes Tor erzielt. Wolfsburg hat gegen Schalke trotzdem nicht gewonnen, sondern nur 2:2 gespielt. Danach hat Lamprecht gesagt, das sei zwar ein super Gefühl, aber er wisse jetzt gar nicht, “ob ich mich freuen soll oder heulen”.
Die Fans des 1. FC Köln wissen das ganz genau. Sie heulen. Und zwar schon seit Wochen.
Per Mertesacker hat einmal mehr bewiesen, dass das vorzeitige Unterschreiben eines Vertrages bei einer anderen Mannschaft einfach nicht gut gehen kann. Bei der 0:5-Niederlage seines aktuellen Arbeitgebers (Hannover 96) gegen seinen zukünftigen (Werder Bremen) kann Mertesacker getrost als Hauptschuldiger bezeichnet werden, er sah bei nahezu allen Gegentreffern nicht gut aus. An drei war er sogar direkt beteiligt.
Der 1. FC Köln hat erstmals zwei Geißböcke aufgeboten: Neben dem erfahrenen Hennes diesmal noch den Kollegen Peterchen. Hat nichts genützt.
Der FC Bayern hat beim 3:1-Sieg in Duisburg mit der ältesten Bundesligamannschaft seiner Geschichte gespielt, dank Mehmet Scholl (35), Bixente Lizarazu (36) und Oliver Kahn (36) lag das Durchschnittsalter bei 30,6 Jahren. Kahn wurde als erstes ausgewechselt, dann Lizarazu, danach Scholl. Eigentlich aber ist das egal. Die Bayern würden auch mit Fußballomas noch gewinnen, wenn diese nur das rote Trikot mit dem Vereinswappen tragen.
Köln hat 1:1 gespielt gegen Frankfurt. Schon wieder nicht gewonnen.
Ailton, und das freut uns von SCHLUSSMANN.DE auch persönlich ganz besonders, hat endlich sein erstes Tor für den HSV erzielt. Beim 2:4 gegen Dortmund ist er in der 61. Minute eingewechselt worden, sechs Minuten später war plötzlich alles so wie immer: Ailton ist losgelaufen, Hals rein, Bauch rein, Unterkiefer vor, er hat den Ball mit dem Außenrist kurz gestreichelt, und der Ball ist durch die Beine des Torhüters gerollt. Dann hat Ailton gejubelt, und alle haben ihn umarmt. Später, und das freut uns fast noch mehr, gab er ein Interview. Er sagte: “Schade dass heute wieder verlier, aber muss obe weiter arbeit, dann nächste Woche wieder gewinn, äh, gege Schalke, äh, drei Punkte.” Was sollen wir sagen, wir lieben diesen Mann einfach.
Lukas Podolski ist zwar Deutscher, aber er ist Kölner, weshalb er zurzeit nicht zu beneiden ist. Nach dem Schlusspfiff hat er festgestellt: “Langsam wird’s eng, muss man sich jetzt langsam mal Gedanken machen, woran’s liegt.” Na denn. Besser spät als nie.
Die ARD-Sportschau hat einen amüsanten Beitrag aus der Bundesliga-Geschichte gezeigt: über Wolf-Dieter Ahlenfelder, den trinkenden Schiedsrichter. Der hat vor einigen Jahren einmal ein Bundesligaspiel in betrunkenem Zustand geleitet und dabei so lustige Dinge gemacht wie: über Stürmer geschimpft, wenn sie vorbeigeschossen haben, spontan zu lächeln begonnen, nach 29 Minuten zur Halbzeit gepfiffen. Später hat er zugegeben, ein bisschen was getrunken zu haben: “Wir sind Männer, wir trinken doch keine Brause!”
In Köln haben Fans ein Plakat hoch gehalten mit der Aufschrift “Europapokal 2007″. Ob die wohl auch trinken? Möglicherweise, aber das wäre okay. Wie sollte man das Gekicke der Kölner denn sonst ertragen.
Oh weh, Köln.
