Der 30. Bundesligaspieltag
| 17. April 2006 |
Die Bundesliga-Saison 2005/2006 nähert sich langsam ihrem Ende, der 30. Spieltag ist vorbei, Bayern ist noch immer Tabellenführer und Köln immer noch auf den Abstiegsplätzen. Und wie immer wurde viel gesagt, zum Beispiel von Rhetorikgenie Ailton, von Veilchen-Träger Kahn, Wortwitz-Spezialist Hans Meyer - und von Tennisprofi Alexander Waske.
Hans Meyer hat nach dem 3:2-Sieg Nürnbergs gegen Kaiserslautern ehrlich fest gestellt: “Wir haben heute ein richtig schlechtes Spiel gemacht.” Zurückzuführen war das vor allem auf die Schwächen in der Abwehr, etwa von Thomas Paulus, der den zweifachen FCK-Torschützen Halil Altintop hätte decken sollen. “Ich weiß auch nicht, wo der Paulus da war”, hat Meyer schon wieder ehrlich zugegeben, “kann sein, dass er da grad auf der Toilette war, der Paulus.”
Dass Interviews von Fußballern aber eher selten so sind wie Interviews mit Meyer, hat Halil Altintop bewiesen: “Leider haben wir den Sack nicht zugemacht, und wer die Tore nicht macht, wird halt bestraft.” Soso.
Interviews mit Lukas Podolski dagegen sind immer irgendwie witzig. Nach dem 1:1 Kölns gegen Schalke hat er gesagt: “Jetzt müssen wir die Köpfe hochkrempeln, äh, und die Ärmel auch.” Dann hat er gelächelt, der Poldi.
Besonders viele Interviews müssen die Bayern-Spieler geben, weshalb Michael Ballack eines gelernt hat: den richtigen Zeitpunkt für die richtigen Worte zu wählen. Nach dem 2:0 gegen Bielefeld hat er auf die Frage nach dem Zeitpunkt, wann er sich zu seiner Zukunft beim FC Chelsea äußern würde, geantwortet: “Jederzeit, nur nicht jetzt, weil wenn man abgekämpft ist, gibt man immer nur dumme Antworten.” Wie wahr.
Oliver Kahn hat auch wieder etwas gelernt: Dass Bayern-Ersatztorhüter Michael Rensing hart schießen kann, sehr hart. Rensing hat Kahn den Ball derart wuchtig in die rechte Gesichtshälfte gedonnert, dass Kahns Auge sofort anschwoll wie die Augen von Axel Schulz in den meisten seiner Kämpfe. Die Fernsehkommentatoren haben nahezu ausnahmslos den Witz mit dem Osterei unterm Auge gerissen, weshalb wir hier darauf verzichten wollen. Kahn dagegen sagte, er wolle sich überlegen, “künftig aufs Aufwärmen zu verzichten”.
Franz Beckenbauer hat diesmal nichts gesagt, ausnahmsweise. Er hatte viel zu tun: Auf der Tribüne wurde er inmitten zahlreicher kleiner Kinder gesichtet. Und das waren nicht seine Enkelkinder.
Ailton, und wie immer freut uns das besonders, hat dafür wieder etwas gesagt, nach dem 2:0 des HSV in Duisburg. Achtung, uuund Action: “Fußball, äh, für mich, ist immer Arbeit, äh, aber Spaß, äh, ohn Spaß geht nicht.”
Mehmet Scholl hat mal wieder ein Tor erzielt, es war sein 86., seit er bei Bayern ist, das sind genau so viele, wie Manager Uli Hoeneß einst gemacht hat. Deshalb passt hier der Verweis auf Alexander Waske, den Tennisprofi: Waske kann gut reden, Unterhaltungen mit ihm sind geradezu ein Genuss, weil er sich gut ausdrücken kann, und weil er einen nicht mit langweilige Phrasen bewirft. Die Süddeutsche Zeitung hat ein Interview mit ihm gemacht, in dem er erzählt, dass er Eintracht-Fan ist und deshalb mit Eintracht-Wappen am Ärmel bei Wimbledon antritt. Am Ende hat Waske noch ungefragt hinzugefügt, dass er und die anderen deutschen Tennisprofis dafür sind, “dass Mehmet Scholl bei der WM in den letzten 20 Minuten eingewechselt werden muss. Das können Sie bitte reinschreiben: Wir möchten alle, dass Mehmet Scholl mitspielt.” Waske und die anderen haben Recht, deshalb schreiben auch wir das noch einmal: Wir möchten, dass Mehmet Scholl bei der WM mitspielt. Wir wollen keinen langweiligen Fußball sehen und langweilige Interviews hören, bitte, Klinsi, es gibt schon genug davon.
