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 9. Juli 2006

Iris Hellmuth ist freie Journalistin in München, die WM verbringt sie beim “stern” in Hamburg. Für SCHLUSSMANN.DE kommentiert sie die WM aus ihrer exklusiven Frauensicht - immer sonntags und mittwochs. Heute Teil neun oder: “Gejubelt, gebetet und geweint”.

Zum Ende dieser WM ganz kurz eine Geschichte aus ihren Anfängen. Es muss ein paar Tage vor dem 9. Juni gewesen sein, ich war in Berlin, wo das erste Blinden-Fußballturnier Deutschlands stattgefunden hat. Eine fantastische Sportart, weshalb ich im Anschluss vielen deutschen Zeitungen einen Artikel darüber anbot. Die Reaktionen aus den Redaktionen waren bezeichnend. „Blindenfußball? Hast du selbst mitgespielt?“, war da noch die netteste Variante; „Ich dachte, das Blindenfußballturnier wird am 9. Juni in München angepfiffen“, die häufigste.

Es hat keinen Ehrgeiz für die deutsche Mannschaft vor der WM gegeben. Und wenn ja, dann hat er daraus bestanden, immer einen guten Spruch über sie parat zu haben. Wer so gedacht hat, wird sich gestern Abend ziemlich geärgert haben. Das wäre die letzte Gelegenheit gewesen, das ganze Arsenal von Häme über Klinsmann und sein Team auszuschütten.

Wer so nicht gedacht hat, wird gestern Abend genossen haben wie er (oder sie) auch die vergangenen vier Wochen genossen hat. Sieben Wochen sind vergangen seit der Eröffnung in München, was in Menschenjahren gerechnet eigentlich nicht viel Zeit ist. Rechnet man in Katzenjahren, sind es 49 Wochen, was schon eher der gefühlten Dauer dieser WM 2006 entspricht. Und wahrscheinlich ist meine Katze sogar um weitere sieben Monate gealtert in dieser Zeit, so viel habe ich bei dieser WM gejubelt, gebetet und geweint.

So hat es auch der Großteil der deutschen Journalisten getan. Könnte man die Euphorie von Zeitungsartikeln messen und auf eine Achterbahnstrecke schrauben, würde sie von ziemlich tief unter der Erde ziemlich steil in Richtung Himmel verlaufen. Es war bezeichnend, dass es einen Tag nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft ausgerechnet ein amerikanischer Journalist war, der in der Pressekonferenz fragte, ob die Diskussion um Klinsmanns Wohnort nicht sehr beschämend für dieses Land war.

Ja, sie war es. Wer etwas anderes behauptet, lügt. So einfach ist das.

Doch ich hätte da einen Vorschlag zur Güte. Falls wir einen neuen Sündenbock brauchen: Ich denke, Cristiano Ronaldo wird sich da gern zur Verfügung stellen. (Ja, richtig gelesen. Frauen finden Cristiano Ronaldo nicht gut. Sie finden ihn sogar überhaupt nicht gut!)

Bei allem Respekt für unsere Gegner gestern – die machen ja echt einen leckeren Milchkaffee und so – aber diese portugiesische Heulsuse geht wirklich gar nicht. Was für ein kleiner Stricher. Lässt sich fallen, wenn man ihn nur anpustet. Reklamiert eine rote Karte für seinen ManU-Mannschaftskollegen Rooney. Fängt an zu weinen, wenn er ausgewechselt wird. Cristiano Ronaldo war der überflüssigste Spieler 2006.

Aber das war dann auch wirklich das Einzige, was bei dieser WM überflüssig war.

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