WM-Serie: Nationalspieler, deren Nominierung wir nicht verstehen (I)
| 16. Mai 2006 |
Es ist ein ganz natürlicher Vorgang, dass - speziell vor einer Weltmeisterschaft - das ganze Land voller Bundestrainer ist. Jeder hätte es besser gemacht als der echte Nationalcoach, und besser als Jürgen Klinsmann sowieso. SCHLUSSMANN.DE natürlich auch - deshalb beschäftigen wir uns in einer Serie mit Nationalspielern, deren Nominierung wir nicht verstehen. Heute Teil 1: Thomas Hitzlsperger.
Spätestens seit Roland Kneißl, seinerzeit Manager des Zweitligisten TSV 1860 München, die Verpflichtung des Spielers Danny Schwarz mit der kicker-Note rechtfertigte, weiß man: Es ist okay, zur Bewertung eines Spielers die Note von Deutschlands bekanntestem und biederstem Fußballmagazin miteinzubeziehen.Thomas Hitzlsperger also: Der Stuttgarter kommt auf eine äußerst durchwachsene Bilanz, die Notengeber sahen ihn selten besser als “4″, manchmal sogar als “5″, im Schnitt kommt er in der abgelaufenen Saison auf eine beachtlich mäßige “3,79″. Aber nun, das ist nur eine Zahl, ein statistischer Wert - man muss Thomas Hitzlsperger als Fußballspieler begreifen, als Mittelfeldakteur des VfB Stuttgart, um wirklich über seine WM-Nominierung nachdenken zu können.
Thomas Hitzlsperger kam einst aus England zum VfB, und bei den Schwaben jubelten sie über ihn, den jungen, talentierten und doch erfahrenen Nationalspieler, über seine gewaltige Kraft im linken Fuß (”The Hammer”). Anfangs waren seine Leistungen ordentlich, und man dachte: Abwarten, wird schon.
Heute aber vermutet man, nein, man ist sich sogar sicher: Hitzlsperger ist keiner, der mal eben zwei Gegenspieler ausdribbelt, so wie, sagen wir: Mehmet Scholl, keiner, der das Spiel beruhigen kann, so wie, sagen wir: Didi Hamann, und keiner, der viele Zweikämpfe gewinnt, so wie, nun ja: Fabian Ernst. Vielleicht konnte er das alles einmal, aber er hat es in der zurückliegenden Bundesligsaison nie gezeigt. Er ist über den Platz gelaufen, hat mitgespielt - mehr aber auch nicht. Es ist ja nicht so, dass man rufen möchte, Hitzlsperger sei schlecht, schwach, nutzlos - er ist ein solider Bundesligaspieler. Aber genügt das auch, um ein solider WM-Spieler zu werden?
Es wäre wohl zu einfach, zu behaupten, der Schwabe Klinsmann habe den aus Forstinning bei München stammenden Hitzlsperger nur berufen, weil er beim VfB Stuttgart spielt, als Quoten-Stuttgarter sozusagen. Klinsmann hat ja die Bundesliga aus Kalifornien verfolgt (Internet!), und dabei muss er gesehen haben, wie der VfB in dieser Saison aufgetreten ist. Vieleicht hat er sich sogar gedacht: Der Thomas, heidenei, der kann doch gar nichts dafür, dass er so unterdurchschnittlich spielt, die Stuttgarter sind ja alle so. Und hat ihn deshalb in den WM-Kader berufen, damit er einmal in einer guten Mannschaft spielen darf.
Gleichwohl: Das mit der guten Mannschaft ist jetzt so eine Sache - was nicht zuletzt an Nominierungen wie der von Thomas Hitzlsperger liegt.

Schade dass der Mehmet nicht dabei ist!