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Odonkors WM-Nominierung

 15. Mai 2006

Jürgen Klinsmann ist anders als Berti Vogts und Rudi Völler, als Erich Ribbeck und Sepp Herberger sowieso, er ist jünger, innovativer, ideenreicher, kommunikativer, mutiger, Email-liebender, SMS-fanatischer, blonder, schwäbischer und weißgottnoch, und deshalb hat er heute Nachmittag nicht einfach ein paar Zettel ausgeteilt oder Folien an die Wand projeziert. Bei der Präsentation des WM-Kaders wurde ein Film vorgeführt, Oliver Bierhoff sagte: “Film ab”, und dann ging der Film ab. Nach dem MTV-DFB-Trailer wusste man: Bei der WM dürfen einige mitspielen, von denen man es nicht gehofft hatte, einige nicht, von denen man es erwartet hätte, und einer, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hätte.

“David Odonkor hat sich gefreut, er hat sich sogar sehr gefreut”, berichtete Klinsmann von seinem Telefonat mit dem Dortmunder, in dem er ihm mitgeteilt hatte, dass er zum WM-Kader gehören werde. Er hat sich gefreut, nun, klar hat sich Odonkor gefreut, er hat noch nie für Deutschland gespielt, er war noch nie ernsthaft in der Diskussion, und er hat mit einem Tor in 33 Bundesligaspielen auch nicht unbedingt die besten Referenzen für eine WM-Mannschaft, die - so sagt es Klinsmann ja immer - sich den Titel zum Ziel gesetzt hat. Gewiss, Odonkor hat ein paar gute Spiele gemacht, und er könnte möglicherweise das Spiel beleben, wenn er in der zweiten Halbzeit eingewechselt wird - aber sprach nicht exakt dieses Argument gegen Mehmet Scholl?

Klinsmann sagte auch, er glaube, dass die WM Odonkor ziemlich viel Spaß bereiten würde. Auch das ist klar - wenn die WM schon Millionen von Fans Spaß bereitet, die viel Geld dafür zahlen und sich mutig einem kompliziertem Ticketsystem stellen, wie sollte sie dann einen, der selbst mitspielen darf, umsonst essen und trinken und übernachten darf und dafür auch noch Geld bekommt, langweilen? Unweigerlich denkt man nun an Paul Steiner, der lange Jahre beim 1. FC Köln spielte und bei der WM 1990 auch mitessen und mittrinken und übernachten durfte - aber keine Sekunde spielte. Steiner ist jetzt Weltmeister.

Aber genau genommen ist Odonkor womöglich sogar eine gute Wahl, er ist schnell und kann gut fußallspielen, was man, pardon, nun nicht von jedem Nationalspieler behaupten kann. Mike Hanke zum Beispiel: Seine guten Vorstellungen halten sich arg in Grenzen, zudem ist er für die ersten beiden WM-Spiele wegen einer roten Karte gesperrt. Vielleicht ist Mike Hanke in Wahrheit die größte Überraschung - schließlich ist es etwas mühsam, Argumente für seine Nominierung zu finden. Dass Jens Nowotny und Christoph Metzelder nominiert wurden, mag zwar aufgrund ihrer Verletzungen etwas fraglich erscheinen, doch immerhin bringen die beiden die Voraussetzung mit, dass sie dieser Mannschaft durchaus sportliche Hilfe leisten könnten.

Eines jedenfalls muss man Klinsmann lassen: Er trifft mutige Entscheidungen, ohne sich von der öffentlichen Meinung beeinflussen zu lassen. Patrick Owomoyela und Fabian Ernst zum Beispiel fehlen im Aufgebot ebenso wie Kevin Kuranyi - zumindest bei Letzterem überrascht das doch einigermaßen, was jedoch nicht heißen soll, dass die Entscheidung nicht richtig ist. Kuranyi zeigte zuletzt erschreckende Formschwächen - im Gegensatz zu Mehmet Scholl übrigens.

Aber genug jetzt von Scholl, von Hanke und von Odonkor - Klinsmann hat seine Entscheidung getroffen, und Fußballdeutschland sollte sie akzeptieren und sich auf die WM freuen. Auch wenns schwer fällt. Verdammt schwer.

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Bisher gibt es 3 Kommentare zu diesem Beitrag
1.

Von Herbert am 15.05.2006 um 19:02

Klinsmann hat schon mit Lehmann bewiesen das es im nur um die Person Klinsmann geht,
voller Komplexe - Aufmerksamkeitssuche. Waere Kahn in Problem koennte man die Entscheidung von Klinsheimer verstehen aber ob nun Kahn oder Lehmann gerade die Tagesform haben ist wie Lotto spielen. Fakt ist vor kann haben die Gegner respekt.
Aber wie auch immer Klinsmann hat ja schon mit Matthaeus einen Star abgeschossen um
selber der Star zu sein eben Aufmerksamkeitssuche.
Ich werde kein Spiel der Deutschen Mannschaft ansehen da der Reiz das Fiebern durch diese Schwabenschwuchtel weg ist nur dummes herumeiern und Ausfluechte suchen.

Wirkliche Groesse hat Kahn er setzt sich sogar auf die Bank nicht aber eine Schwabenschwuchtel

2.

Von Stefan Wolf am 15.05.2006 um 19:04

Mit einem schwäbischen Lächeln unter die Gürtellinie geschlagen. Junge Spieler im besten WM-Alter werden “abgeschossen”, und durch alte, oder unerfahrene, ja sogar dem Trainer persöhnlich unbekannte Spieler ersetzt. Auch wenn es mich für Odonkor freut, mir würde es als ausgeboteter Spieler schwer fallen, Herrn Klinsmann noch einmal etwas zu glauben…:-(

3.

Von Binzi am 15.05.2006 um 21:00

Die größere Überraschung im WM-Kader von 1990 war für mich der Spieler Günter Hermann von Werder Bremen (Rückennummer 21)!
Auch er hat es auf keine Sekunde Einsatz geschafft und saß später bei Bremen ebenfalls auf der Bank (sofern ich mich noch richtig erinnere).

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