Informatiker Andreas Binzenhöfer erklärt das Sticker-Universum
| 29. Juni 2006 |
Informatiker, so ist das Klischee, sind sozial schwache Wesen - sagt auch Andreas Binzenhöfer, 30, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Informatik der Universität Würzburg. Er selbst hält sich aber für ziemlich kontaktfreudig, und: fußballkundig. Deshalb hat er zusammen mit Kollegen eine Untersuchung durchgeführt zu dem Thema “Warum Panini Fußballalben auch Informatikern Spaß machen”. Dabei hat er einiges herausgefunden, zum Beispiel, wo Ballack immer in der Packung liegt, wie man an die berühmte Briefmarke kommt und wie viel Geld der ganze Spaß kostet. Im Interview verrät er SCHLUSSMANN.DE seine Tricks.
Herr Binzenhöfer, wir haben Ihre Abhandlung gelesen, mit den Formeln, den Thesen und den Berechnungen zum Panini-Bilder sammeln, und, ganz ehrlich, wir haben uns gefragt: Was soll das?
Binzenhöfer: Das war so: Ich hab’ mir bei der EM 2004 ein Panini-Album gekauft und hab’ dann den Kollegen davon erzählt und gefragt, ob sie mitmachen. Die haben aber nur den Kopf geschüttelt - zu teuer. Und dann haben wir uns hingesetzt und, jeder für sich, ausgerechnet, wie teuer genau. Das hat ja auch Vorteile für unsere Studenten.
Wieso?
Binzenhöfer: Weil man so viel besser erklären kann, wie man als Informatiker an Probleme rangeht. Wenn ich von Leistungsbewertung und stochastischen Prozessen erzähle, hört doch keiner zu.
In einem Artikel in einem Buch, den Sie zu der Untersuchung verfasst haben, steht zur These über die Verteilung der Panini-Bilder: “Christoph und Armin haben einmal in einer Sachgeschichte der Sendung mit der Maus erklärt, dass alle Panini-Bilder gleich häufig vorkommen. Diese Annahme erscheint also plausibel.” Wie ernst kann man die Untersuchung denn nehmen?
Binzenhöfer: Naja, wir hatten anfangs eben keine andere Referenz, und die Sendung hab ich selber gesehen. Mittlerweile haben wir dazu Messungen gemacht: Wir haben in verschiedenen Kiosken in Würzburg zufällig Bilder gekauft und die dann ausgewertet - und konnten so auf die Arbeitsweise der Sortiermaschine von Panini rückschließen.
Aha.
Binzenhöfer: Ja, wir wissen jetzt mit ziemlicher Sicherheit, dass die Maschine die Bilder immer an der gleichen Stelle platziert, um eine Doppelung im gleichen Päckchen zu vermeiden. Kahn und Schweinsteiger zum Beispiel liegen immer an Position eins oder fünf, genau wie Ronaldo. Robinho dagegen ist immer an zwei oder vier. Aber das ist natürlich nicht wissenschaftlich gesichert - dafür bräuchten wir ja mehr Päckchen. Aber immerhin konnten wir trotzdem eine Panini-Weltformel aufstellen.
Eine Panini-Weltformel?
Binzenhöfer: Physiker suchen ja immer nach der einen wahren Formel, die das ganze Universum erklärt. Und wir haben eben eine gefunden, die, wie soll ich sagen…
…das Panini-Universum erklärt?
Binzenhöfer: Genau. Das funktioniert so: Wir haben zunächst im Zuge einer mathematischen Annäherung die eigentlich falsche Annahme aufgestellt, dass in einem Päckchen eben doch doppelte Bilder sind. Mit diesen Erkenntnissen haben wir eine exakte Formel bestimmt, die wir sicherheitshalber auch noch per Simulation bestätigt haben. Verstanden?
Nein.
Binzenhöfer: Mit der Weltformel kann ich zum Beispiel ausrechnen, wie teuer so ein Album bei verschiedenen Sammel-Strategien ist. Das ist ja vor allem abhängig davon, wie viele Bilder in einer Packung sind und wie viele im Album. Panini nutzt das übrigens voll aus.
Ach ja?
Binzenhöfer: Ja. Bei der EM waren es noch 576 Bilder, in einer Packung waren sechs Sticker. Jetzt sind es 596 Bilder im Heft und fünf pro Packung.
Wie viel Geld muss man denn aufbringen, um sein Album voll zu kriegen?
Binzenhöfer: Es gibt da ja verschiedene Möglichkeiten. Die einfachste, aber zugleich die dümmste, ist, einfach so lange Bilder zu kaufen, bis das Album voll ist. Theoretisch würden dafür 60 Euro reichen, aber da ist die Wahrscheinlichkeit bei null, da gewinnt man eher zehn Mal hintereinander im Lotto. Nach unseren Berechnungen liegt die höchste Wahrscheinlichkeit, das Album so voll zu bekommen, bei 300 bis 700 Euro.
Das ist aber viel Geld.
Binzenhöfer: Ja, das ist richtig teuer. Vor allem das letzte fehlende Bild ist kostspielig: Im Schnitt bezahlt man dafür bei dieser Sammel-Methode 60 Euro. Deshalb hat ja Panini die Möglichkeit eingeführt, bis zu 50 Bilder nachzubestellen. Das geht natürlich auch - aber es ist l4m3, sprich lame.
Wie bitte?
Binzenhöfer: Lame, das ist l33t, sprich leet, also Informatiker-Slang - die Sprache funktioniert so, dass man Vokale durch Zahlen ersetzt, die ihnen ähnlich schauen. Lame bedeutet langweilig.
Ist Kisten voller Bilder im Internet kaufen auch “l4m3″?
Binzenhöfer: Absolut! Das ist zwar die sicherste Methode: Kiste bei collect-it.de kaufen, die sind billiger als Ebay, da hat man 500 Bilder und kaum doppelte. Aber das ist schon ziemlich albern. Es gibt da übrigens noch ein paar mehr Tricks.
Erzählen Sie.
Binzenhöfer: Andere Leute nachbestellen lassen: Sie könnten mir 50 Bilder bestellen und ich bestelle mir 50, dann habe ich schon 100 passende. Oder die Schmarotzer-Methode: Warten, bis andere ihr Album voll haben, und dann die überzähligen Bilder abstauben. Aber auch das ist: stinklangweilig. Aber ich hätte noch einen guten Trick für die Briefmarke.
Die Jubiläums-Briefmarke, die angeblich äußerst selten sein soll?
Binzenhöfer: So ist es. Wir haben ausgerechnet, dass die Briefmarke immer an Position fünf im Päckchen liegt, also an letzter Stelle. Die Verpackung ist leicht durchsichtig, und die Briefmarke hat als einziges Bild keine Nummer…
…aber das ist doch auch langweilig, oder?
Binzenhöfer: Naja, ein bisschen tricksen ist erlaubt. Wobei meine Kollegen es als Schmach für mich ansehen, dass ich die Briefmarke so bekommen hab.
Haben Sie ihr Album voll?
Binzenhöfer: Ja, seit heute! Mir hat noch Santos von Tunesien gefehlt, und den hab ich von der Tochter einer Bekannten meiner Mutter bekommen.
Und was kriegt sie dafür?
Binzenhöfer: Sie kann alle Bilder haben, die ihr noch fehlen - ich bin ja jetzt fertig, und ich hab’ noch über 400 Bilder zuhause.
Also ist tauschen doch die beste Methode?
Binzenhöfer: Vom Kostenfaktor her? Theoretisch ja, praktisch ist aber die Kisten-Methode kombiniert mit dem Nachbesteller-Trick die sicherste. Der tauschende Sammler bezahlt für ein volles Heft zwischen 72 und 98 Euro - aber tauschen macht am meisten Spaß. Das Hauptergebnis unserer Untersuchung ist demnach neben der Weltformel: Der Informatiker hat sich mittels Formel ausgerechnet, dass Freunde haben doch Sinn macht.
Ist der Informatiker denn wirklich so sozial unfähig?
Binzenhöfer: Nein. Auf unserer Skala für soziale Kompetenz, die von Günter Netzer bis Sepp Maier geht, liegt der Informatiker nur knapp unter dem Durchschnitt, gleich nach dem gewöhnlichen Fußballfan, wenn auch weit hinter Franz Beckenbauer.

cooles Interview
und wie lautet die formel jetzt?
schwachsinn!
In Pseudo-Latex Code etwa so:
p(j,i) = (\sum^{k}_{m=0}{\frac{\nchoosek(j-m,k-m)\cdot \nchoosek(N-j+m,m)}{\nchoosek(N,k)}}) \cdot p(j-m,i-1)
mit
p(j,i) = 0 fuer j>min(i \cdot k,N)
und
p(j,i) = 1 fuer j \le k und i > 0
wobei p(j,i) die Wahrscheinlichkeit fuer j verschiedene Bilder nach i gekauften Paeckchen, N die Anzahl der zu sammelnden Bilder und k die Anzahl der Bilder pro Paeckchen ist.
ich hab meins jetzt auch voll! Ole Ole
[…] Zum Glück gibt es Google und Andreas Binzenhöfer … […]
[…] Via Blogrolle gefunden: Die Panini-Weltformel eines Würzburger Informatikers. […]
hallo Binzi, war von 1970-1990 beim Statistischen Landesamt Berlin beschäftigt. Allerdings um die EDV in Gang zu halten. Hatten damals als Anlage Rechner von Digital Equipment (wurde von Hewlett Packard aufgekauft)
Gruß von Binzi aus Berlin-Spandau
Im Internet bin ich unter Spandauer des Monats März 2007 zu finden.
also eure “universumsformel” gilt nicht mehr, hatte heute in zwei tüten jeweils von einem spieler gleich zwei drin. damit hat panini reagiert…
Ich hatte in 25 Tüten neunmal ein Paar Doppelte in einer Tüte. Die Tüten hatte ich im Block aus der Kiste genommen, sie sind also aufeinander folgend verpackt worden. Insgesamt waren es 41 doppelte Bilder in 125 gekauften.
Panini hat sich also scheinbar vom Anspruch der Fairness verabschiedet, verkauft aber trotzdem noch das Fair Play Logo der FIFA. Heuchler!